Das ist der Gipfel
Hohe Berge, kristallklare Seen, Sehenswürdigkeiten wie das Salzbergwerk, lebendige Traditionen und vieles mehr: Davon hat sich unsere Autorin Antoinette Schmelter-Kaiser in Berchtesgaden und Umgebung begeistern lassen. Mitbringsel sind fünf Tipps für Familien und eine Hotelempfehlung.
1.) Königssee-Schiffahrt
Es gibt leider keinen Uferweg, um den Königssee zu umrunden. Dafür lassen die fast senkrechten Berghänge, die ihn umgeben, keinen Platz. An Bord von Ausflugsschiffen kann man das Prachtstück aber auf seiner vollen Länge von acht Kilometern erleben. Dank Elektroantrieb gleiten die Boote lautlos über bis zu 192 Meter tiefes Wasser, das in den schönsten Türkis- und Blautönen schimmert. Unterwegs wird kurz gestoppt, um an der Echowand den Passagieren mit dem mehrfachen Widerhall einer Trompetenmelodie zu imponieren. Nächster Halt ist St. Bartholomä – dank dicker Zwiebeltürme auf dem Kirchlein und Watzmann im Hintergrund ein heißbegehrtes Fotomotiv. Es lohnt sich aber, an Bord zu bleiben und weiter bis Salet zu fahren. Von hier führt ein Fußweg bis zum kristallklaren Obersee, der sich zwischen hohe Berge kuschelt, und dann weiter am Wasser und Felsen entlang bis zur Fischunkelalm, die so idyllisch wie „Heidi“ entsprungen wirkt. Wer ausreichend Zeit bis zur letzten Rückfahrt ab Salet hat, kann noch einen Abstecher zu Röthenbach-Fall einbauen. Der stürzt am Ende des Tals 400 Meter in die Tiefe und ist damit Deutschlands höchster Wasserfall.
2. ) Berchtesgadener War
Viele Bergwälder, viel Holz: Dieser Reichtum ließ jahrhundertelang das Holzhandwerk in Berchtesgaden und Umgebung boomen; für viele Bauern war es im Winter ein willkommener Nebenerwerb. Nicht nur praktische Gegenstände von Löffeln über Teigtröge bis zu Schachteln verkauften sich bis nach Übersee, sondern auch Spielzeug wie „Oaschpfeifirössl“ (bairisch für Arschpfeifenpferde), Hampelmänner, Kreisel und Püppchen. Im Umkreis von Berchtesgaden wurde diese sogenannte „Berchtsgadener War“ durch Kraxentrager vertrieben, also zu Fuß auf dem Rücken transportiert und in Dörfern oder auf Höfen angeboten. Ab Anfang des 20. Jahrhunderts kam geschnitzter Christbaumschmuck dazu – egal ob Miniatur-Schlitten, -Vögel oder -Schaukelreiter. Um diese Volkskunst vor dem Aussterben zu bewahren, konzentriert sich ein hübsches Geschäft am Schlossplatz 1 ½ bewusst auf traditionelle Holz-Preziosen. Von lokalen Lieferanten gefertigt und vor Ort liebevoll bemalt, sind sie ein schönes Souvenir oder Geschenk (https://www.berchtesgaden.de/pois/berchtesgadener-handwerkskunst). Historische Originale gibt es im Museum Schloss Adelsheim zu sehen, denn dessen Sammlungsschwerpunkt ist ebenfalls „Berchtesgadener War“.
3.) Bergbahnen
Man kann den 1874 Meter hohen Gipfel des Jenner in mehreren Stunden vom Tal aus erwandern. Schneller und bequemer am Ziel gelangt man mit der Jennerbahn. Von ihrer Bergstation sind es zu Fuß nur noch 20 Minuten bis zum Aussichtspunkt Königsblick, von wo aus sich tief unten der fjordähnliche See und gegenüber das imposante Watzmann-Massiv nebst Steinernem Meer bestaunen lassen. Wie das Ganze aus der Perspektive eines Adlers aussieht, zeigt ein Kurzfilm in der Infostelle des Nationalparks Berchtesgaden im ersten Stock der Bergstation. Unter dem Motto „Das ist der Gipfel“ möchte sie bei freiem Eintritt mit Monitoren und Entdeckertafeln die Vielfalt der alpinen Flora und Fauna kleinen Besuchern näherbringen. Für die gibt es außerdem einen Spielplatz und digitale Outdoorspiele, mit denen man den Jenner via App in Begleitung von Murmeltier Franzi oder Rangerin Tina erleben kann (https://www.jennerbahn.de/).
Nostalgisch geht es mit der 1949 erbauten Obersalzbergbahn von Berchtesgaden aus in knallroten Gondel-Duos bergauf und dann – außer bei Regenwetter – auf Wunsch mit der Sommerrodelbahn durch eine 600 Meter lange Metallrinne runter bis zum Alpengasthof Hochlenzer. Von dort aus kann man über den Carl-von-Linde-Weg bequem zum Restaurant Café Graflhöhe spazieren: Seine Spezialitäten sind seit über 60 Jahren Windbeutel, die riesengroß, mit jeder Menge Schlagsahne und Erdbeeren, Kirschen & Co auf den Teller kommen. Nicht umsonst heißt das Lokal auch Windbeutelbaron.
Infos: www.obersalzbergbahn.de, www.hochlenzer.de, www.windbeutelbaron.de
4.) Haus der Berge
Natur Natur sein lassen – das ist die Hauptaufgabe im einzigen Alpen-Nationalpark Deutschlands. Er wurde 1978 gegründet, ist 210 Quadratkilometer groß und besteht aus einer Pflegezone, wo traditionelle Nutzungen wie Almwirtschaft, Schifffahrt und Fischerei erlaubt sind, und einer Kernzone ohne menschliche Eingriffe. Getreu dem Motto „Nur was man kennt, das schätzt und schützt man“ hat die Nationalparkverwaltung sieben Infostellen, eine Steinadler-und Bartgeier-Beobachtungspunkt und ein Programm mit geführten Wanderungen und Veranstaltungen wie „Mit dem Ranger unterwegs“ oder „Auf zur Sennerin“. Nationalparkzentrum ist das Haus der Berge in Berchtesgaden. Hier erklärt die Dauerausstellung „Vertikale Wildnis“ interaktiv und multimedial, welche Tiere und Pflanzen es in den Lebensräumen Wald, Wasser, Alm und Fels vom Grund des Königssees bis auf die Berggipfel gibt. Abschluss ist ein Film mit spektakulären Zeitraffer-Aufnahmen zu jeder Tages- und Jahreszeit im Nationalpark. Am Schluss öffnen sich vertikale Lamellen und geben als beeindruckende Verbindung von drinnen nach draußen den Blick durch raumhohe Fenster auf den Watzmann frei
5.) Salzbergwerk
Heutzutage kostet Salz wenige Cent. Im Mittelalter war das ganz anders. Denn Salz diente damals nicht nur als Speisewürze, sondern auch zum Haltbarmachen von Lebensmitteln. Deshalb galt es als weißes Gold, das Händlern und zollerhebenden Städten Reichtum bescherte. Wo und wie seit 1517 Steinsalz aus den Sedimenten eines Urzeitmeeres abgebaut wird, erklärt eine Tour durch das Salzbergwerk in Berchtesgaden, das älteste aktive Deutschlands. Alle Besucher bekommen anfangs Bergmannskleidung, fahren mit einem kleinen Zug tief ins Gebirge, marschieren 800 Meter weit durch Stollen, sausen auf hölzernen Rutschen zweimal weiter nach unten, gleiten zu sphärischen Klängen und Lichtspielen auf einem Floß über den unterirdischen Spiegelsee und bekommen neuerdings auch einen immersiven Film zu sehen – spannende Stationen der rund einstündigen Führung. Einziger Wermutstropfen ist, dass aus Sicherheitsgründen weder gefilmt noch fotografiert werden darf. Doch keine Sorge: Beim Losfahren und auf einer Rutsche werden automatisch Bilder geschossen und nach der Rückkehr angeboten. Außerdem wissenswert: Zum Vermeiden von Wartezeiten können Eintrittstickets vorab online reserviert werden.
Infos unter: www.salzbergwerk.de
In Sachen Transparenz: Wir bedanken uns beim „Berchtesgaden Tourismus“ für die freundliche Einladung (Werbung, da Pressereise) und bei mk-Salzburg für die tolle Organisation. Wir stellen nur Hotels und Destinationen vor, die wir selbst gestestet haben und die wir auch Freunden empfehlen würden.


















