Blaues Land: Oberbayern von seiner schönsten Seite
Im Freilichtmuseum das Landleben von anno dazumal erleben, den Staffelsee erkunden, Kunst und Künstler des Blauen Reiter kennenlernen, Bauer Sepps Märchentheater besuchen, das Murnauer Moos erwandern: Unsere Autorin Antoinette Schmelter-Kaiser war im Blauen Land unterwegs und hat ihre Empfehlungen für Familien zusammengestellt.
1.) Freilichtmuseum Glentleiten erleben
Wer in Oberbayern unterwegs ist, sieht sie vielerorts in Dörfern oder auf Almen: pittoreske Bauernhöfe mit geraniengeschmückten Holzbalkonen, oft jahrhundertealt. Stattliche Höfe genauso wie Hirten-, Fischer- und Forsthütten oder Kleinanwesen samt authentischer Einrichtung bis hin zu Zimmerpflanzen oder Nachttöpfen neben dem Bett hat das Freilichtmuseum Glentleiten zusammengetragen. Außerdem gibt es Heustadel, Bienen- und Backhäuser, Getreidekasten oder -mühlen, ein Sägewerk, einen Kalkofen, eine Hammerschmiede, eine Köhlerei, eine Töpferei – insgesamt 70 historische Gebäude, die am Originalstandort ab- und auf einem 40 Hektar großen Gelände am Hang oberhalb des Örtchens Großweil wieder aufgebaut wurden, um das Leben früher in Landwirtschaft und Handwerk zu veranschaulichen. Besucher können durch Räume von Küchen über Stuben, Ställe und Werkstätten bis zu Dachkammern spazieren und sich auf Infotafeln schlau machen zu Baujahr, ehemaligen Besitzern, Funktion oder Veränderungen. Auch auf dem Außengelände finden sich immer wieder „Was wächst denn da?“-Erklärungen zu üppig grünenden und blühenden Pflanzen. Zu den im Freilichtmuseum lebenden Tieren wie Hühnern, Schafen oder Schweinen wird ebenfalls Wissenswertes vermittelt. Prima für Pausen sind die XXXL-Waldkugelbahn und der Kramerladen, wo es außer netten Mitbringseln auch Leckereien wie Kaspressknödelsuppe oder Apfelkrapfen gibt. Insgesamt gilt: Je früher der Besuch, umso geringer der Andrang, deshalb von Juni bis Ende September am besten gleich um 9 Uhr kommen, sonst ab 10 Uhr. In den Ferienzeiten werden Programme zum Mitmachen, Entdecken und Draußensein angeboten, generell jahreszeitlich passende Sonderveranstaltungen und kostenlose Führungen. Anleiten lassen kann man sich auch von digitalen Schnitzeljagden für Kinder oder Themenwegen, die unter Motti wie „Der Mensch und sein Vieh“ von einer Station zur anderen führen.
Freilichtmuseum Glentleiten, An der Glentleiten 4, 82439 Großweil, Tel. 08851/185-0, www.glentleiten.de/
2. ) Schifffahren und Schwimmen im Staffelsee
Murnau, Seehausen, Uffing: Nur drei Orte liegen am Staffelsee. Entsprechend ausgedehnt sind die unbebauten Uferbereiche, wo Enten, Gänse und Blesshühner ungestört durch Schilf oder Seerosen paddeln. Einen bequemen Überblick bekommt man zwischen dem 1. Mai und 3. Oktober an Bord des Solarelektroschiffs Staffelseerin (50 Innenplätze) oder vom 1. April bis 1. November auf dem Fahrgastschiff Seehausen (100 Innen- und 170 Außenplätzen). Die gemächlichen Rundfahrten über den 7,6 Quadratkilometer großen See dauern jeweils 80 Minuten, unterwegs kann man beliebig aus- und wieder einsteigen. Ein spezieller Stopp ist die Campinginsel Buchau, die nur per Personenfähre erreichbar ist und in Zelten bewohnt werden kann. Der schönste Halt ist der Biergarten Alpenblick in Uffing, dessen Name Bände spricht. Nicht angelegt wird auf der Insel Wörth, die schon zur Zeit der Römer und Bajuwaren besiedelt war; heute leben eine Herde Heckrinder und fünf ständige Bewohner hier. In den kleinen Buchten machen Kajak-, Kanu- und SUP-Fahrer Halt, für die der Staffelsee ein Traumrevier ist. Ruder- und Tretboote – auch mit integrierter Rutsche als Clou – werden in Seehausen vermietet. Lust auf Schwimmen? Das Strandbad Seehausen bietet außer einer großen Wiese nebst guter Pizzeria auch einen Sprungturm. Der fehlt im Murnauer Pendant, dafür ist der Eintritt dort gratis, der Schatten großer Kiefern angenehm an heißen Tagen und der Blick aufs Wasser zum Sonnenuntergang umwerfend. I-Tüpfelchen sind Flammkuchen, Süßkartoffel-Pommes und kühle Drinks auf der Terrasse des chilligen Lokals namens Laguna.
Infos: Staffelsee Motorschifffahrt, Tel. 08841/628833, https://www.staffelsee.org/
3.) Besuch beim Blauer Reiter
Holland, Tunesien, Frankreich, Belgien, Schweiz, Südtirol: Alle diese Länder bereist die Malerin Gabriele Münter. Ab 1902 kam sie dann mit Wassily Kandinsky mehrfach ins Blaue Land und schwärmte: „Nirgends hatte ich eine Fülle von Ansichten vereint gesehen wie hier (…) zwischen See und Hochgebirge, zwischen Hügelland und Moos.“ Kein Wunder, dass sich die Künstlerin inspirieren ließ und wiederholt lokale Motive auf ihren Bildern darstellte. Dazu schrieb sie: „Ich habe (…) einen großen Sprung gemacht – vom Naturabmalen mehr oder weniger impressionistisch – zum Fühlen eines Inhalts, zum Abstrahieren.“ Zeugnis sind kraftvoll- farbintensive Werke wie „Bootsfahrt“, „Gelbes Haus mit Apfelbaum“ oder „Obere Hauptstraße Murnau“, die in der Ausstellung „Der Blaue Reiter“ als Hommage an den gleichnamigen Künstlerverbund im Schlossmuseum zu sehen sind. Warum Dinge auf seinen Bildern nicht mehr aussahen wie in echt oder Schnee bunt gemalt wurde, können Familien mit einem Suchspiel und Junior-Guide zur Ausstellung (erhältlich an der Kasse) herausfinden; Spaß machen auch zwei Experimentierstationen, mit denen sich ausprobieren lässt, was beim Mischen von Primär-Farben passiert. Unbedingt einen Abstecher wert ist das Münter-Haus in der Kottmüllerallee, wo Gabriele Münter und Wassily Kandinsky von 1909 bis 1914 regelmäßig wohnten. Im Garten begeistert ein Rondell mit Blumenpracht, über der Bienen summen und Schmetterlinge flattern. Innen erinnern originalgetreu renovierte Räume mit Fotos, selbstbemalten Möbeln, Pinseln und benutzter Farbpalette an Gabriele Münter. Möglich ist die Zeitreise täglich außer montags zwischen 14 und 17 Uhr.
Infos: Schlossmuseum, Schlosshof 2-5, 82418 Murnau, Tel. 08841/476207, www.schlossmuseum-murnau.de; Münter-Haus, Kottmüllerallee 6, 82418 Murnau, Tel. 08841/628880, www.muenter-stiftung.de/de/das-munter-haus-2/
4.) Bauer Sepps Märchenbühne
Ferienlager und Ponyreiten gibt es auf dem Blaslhof nicht mehr. Aber eine Attraktion ist geblieben: Bauer Sepps Märchentheater in einem Holzstadl am Rand des Dörfchens Kalkofen. Hier spielt Landwirt Sepp Taffertshofer mit seiner Frau Claudia selbstgeschriebene Stücke auf einer kleinen Bühne. Als unterhaltsames Naturtalent macht er schon vor Vorstellungsbeginn das Publikum mit phantasievollen Anekdoten neugierig. Während der Aufführungen bezieht er es mit ein, indem er Fragen stellt, zum Singen auffordert und um Rückmeldungen bittet. So gelingt ihm das Kunststück, vom Kleinkind bis zu den Großeltern alle in seinen Bann zu ziehen. Und das nicht nur auf dem Blaslhof, sondern auch bei Gastspielen seiner mobilen Bühne für Kindergärten, Grundschulen, Feiern und Veranstaltungen aller Art in einem Umkreis von 90 Kilometern. Nach Vorstellungsende verkauft und signiert Sepp Taffertshofer Bücher mit selbsterfundenen und -geschriebenen Geschichten. Die erzählte er früher seinen eigenen Kindern und denen der Gäste, die Urlaub auf dem Bauernhof machten. 1999 entstand daraus ein erstes Kinderbuch im Eigenverlag, sieben sind es mittlerweile geworden. Insgesamt 16 Geschichten arbeitete Sepp Taffertshofer zu Stücken um; seit 2001 laufen sie als Handpuppen-Spektakel für die ganze Familie erfolgreich in Serie.
Infos: Bauer Sepps Märchenbühne, Kalkofen 13b, 82449 Uffing, Tel. 08846/9215417, https://bauer-sepps-maerchenbuehne.de
5.) Murnauer Moos
Fast 1000 Pflanzenarten von der Sibirischen Schwertlilie bis zu seltenen Orchideen und über 2000 Tierarten wie Zwerglibellen, Brachvögel, Kiebitze, Wachtelkönige, Hirsche, Ringelnattern und Kreuzottern: Für sie alle ist das Murnauer Moos als größtes zusammenhängendes, naturnahes Moorgebiet Europas ein Refugium, von dem 2.378 Hektar unter Naturschutz stehen. Die Verlockung ist groß, es querfeldein entdecken zu wollen. Doch das wäre ein gefährliches Unterfangen. Denn unter einer Schicht aus verrotteten Pflanzen erstreckt sich immer noch ein ausgedehnter nacheiszeitlicher See. Auf dem zwölf Kilometer langen Moos-Rundweg sind Spaziergänger aber auf der sicheren Seite. Am Startpunkt unterhalb des Hotels Alpenhof informiert eine biologische Station über die Entstehungsgeschichte vom Murnauer Moos, seine Flora und Fauna. Ein besonderer Abschnitt, den man vom Weiler Westried auch separat laufen kann, ist der knapp ein Kilometer lange, schmale Bohlenweg. Auch hier verändern sich je nach Jahreszeit Vegetation und Farben, der Ausblick reicht bis zum Wettersteingebirge und den Ammergauer Alpen. Doch nicht nur optisch ist das Murnauer Moos ein Highlight. Ökologisch spielt es ebenfalls eine wichtige Rolle, weil es wie ein Schwamm das 30-fache seines Eigengewichts an Wasser speichern und viel CO2 binden kann.
Infos unter: www.murnauermoos.de
In Sachen Transparenz: Wir bedanken uns beim „Blauen Land Tourismus “ für die freundliche Einladung (Werbung, da Pressereise) und bei Wilde & Partner PR für die tolle Organisation. Wir stellen nur Hotels und Destinationen vor, die wir selbst gestestet haben und die wir auch Freunden empfehlen würden.

















