Käsekönigin forever – wie ich in Alkmaar zur Käseglockenläuterin wurde
Den berühmten Käsemarkt in Alkmaar müsst ihr erleben: Glocke, Gilde, Gouda – Tradition zum Anfassen. Ich hatte die Ehre, den Kaasmarkt zu eröffnen, das heisst die Käseglocke zu läuten, Käse zu bohren und zu verkosten und mich auf der Käsesänfte rund um den Platz tragen zu lassen. Fotoshootings und Fernsehinterviews inklusive. Mein Tag als Käsequeen – say cheese!
Erst Gefängnis, dann „Krönung“
Meine erste Nacht in Alkmaar verbringe ich – ganz legal – im historischen Gefängnis. Hinter schweren Mauern schläft es sich erstaunlich gut, denn die Zellen sind heute stylishe Zimmer im The Fallon Hotel Alkmaar. Nach einem köstlichen Frühstück bin ich wieder „auf freiem Fuß“ und bereit für einen erlebnisreichen Tag in Alkmaar.
Empfang beim Locoburgemeester – mit Victorinchen
Im altehrwürdigen Rathaus empfängt uns der Locoburgemeester, die Amtskette glänzt, der Festsaal knarzt herrlich historisch. Auf der langen Tafel liegt an jedem Platz ein rot-weißes Törtchen: das Victorinchen. Dieses kleine Alkmaar-Gebäck erinnert an die Befreiung von 1573 – kugelig wie eine Kanonenkugel (in der Altstadt gibt es das „Haus mit der Kugel“) und dekoriert in den Stadtfarben Rot und Weiß. Ein süßes Mini-Denkmal zum Weglöffeln.
Dann die Ansage mit Pauken und Trompeten (zumindest gefühlt): Ich darf den Käsemarkt eröffnen. Vorab hatte man mich gefragt, ob ich die Käseglocke läuten möchte – ich dachte: „Klar, einmal bimmeln, easy!“ Dass dahinter eine jahrhundertealte Zeremonie steckt, bei der halb Alkmaar zusieht, erfahre ich in diesem Moment.
10 Uhr am Waagplein: Läuten, dass die Glocke glüht
Kurz vor zehn betreten wir den Waagplein. Hinter Absperrungen stehen Hunderte Besucher, die Kameras gezückt. Vor uns reihen sich 2.400 Käselaibe zu orangen Linien – zusammen rund 30.000 Kilo Gouda und Edamer. Der Kaasvader stellt mich der Käseträger-Gilde vor, alles in Weiß. Käseträger tragen Strohhüte mit farbigen Bändern (rot, grün, blau, gelb). Die Farbe zeigt, zu welcher Veem-Gruppe sie gehören; dieselben Farben findet man auch an den Berries (Tragen) und Fliegen. Der Kaasvader ist am orangen Hut (und Stock) zu erkennen. Auf meine Frage, worauf ich achten müsse, sagt er nur: „Ganz doll läuten.“ Verstanden!
Countdown, Zeichen, Go! – und ich bimmle, als gäbe es kein Morgen. Vom Rand ruft jemand lachend: „Nicht so laut!“ Diese Käsegesellschaft hat Humor. Auf der Großleinwand sehe ich mich selbst in XXL, winke – und setze mein strahlendstes Lächeln auf: cheese!“
Sensorikschule für die frisch gekürte Käsequeen
Als Käseglockenläuterin ist man noch nicht fertig. Jetzt beginnt die Qualitätsprüfung. Mit dem Käsebohrer ziehe ich unter Anleitung ein Stück Gouda aus dem Laib. Prüfer Eric erklärt mir die goldene Regel der Genuss-Sensorik: „Ansehen, Knicken, Riechen, Schmecken.“ Ich halte das zart glänzende Stück gegen das Licht, höre das leise „Knack“, schnuppere – und schmecke tatsächlich süße, salzige, bittere und leicht säuerliche Noten. Beim „Royal“, dem alten, würzig-herben Käse, brizzelt es fein am Gaumen. Ich nicke wichtig – so fühlt sich Fachkompetenz an.
Handel wie früher – die Gilde lebt
Der Käsemarkt im Zentrum von Alkmaar ist seit dem 16. Jahrhundert Herzstück des Handels. Pünktlich um 10 Uhr läutet die Glocke, Inspektoren prüfen, dann wird gewogen und per „Handjeklap“ verhandelt – Verkäufer und Käufer klatschen ihre Hände aufeinander, bis sie sich auf einen Preis geeinigt haben. Die Käseträger-Gilde (gegründet 1593, heute immaterielles Kulturerbe) schwebt im berühmten „kaasdragersdribbel“ mit hölzernen Berries über den Platz – jedes Team trägt acht Laibe, also über 100 Kilo pro Tour. Neben den fröhlichen „Frau Antjes“ mit Käsetüten ist das der unangefochtene Foto-Liebling.
Sänfte, Selfies und das Ehrenbuch
Weil ich nun offiziell Käsequeen bin, setzt mich ein Träger-Duo samt 12-Kilo-Laib auf die Trage. Winken wie eine Königin? Eher schwierig: Mit beiden Hände versuche ich den Riesen-Gouda zu halten und gleichzeitig majestätisch zu wirken und nicht von der Sänfte zu kippen. Danach folgt nochmal ein Foto-Shooting und ein prall gefüllter Präsentkorb (Ratet mal, was drin ist …). Krönender Abschluss: mein Eintrag ins Ehrenbuch des Käsemarkts – dort unterschreiben sonst Könige und Sportgrößen. Später werde ich auf der Straße zweimal erkannt. Berühmt? Zumindest in Alkmaar!
Warum das mehr ist als Show
Natürlich ist der Markt ein Spektakel – aber eines mit Herz, Handwerk und Haltung. Man spürt, wie stolz Alkmaar diese Tradition weiterträgt. Kaasmeisjes und Kaasjongens erklären den Besuchern, was gerade passiert; auf dem Handwerkermarkt drumherum lässt sich naschen und stöbern. Wer tiefer eintauchen will, besucht das Käsemuseum im Waaggebouw: historische Werkzeuge, Filme, Bilder – Käsewissen zum Anfassen.
In Sachen Transparenz: Vielen Dank an Visit Alkmaar für die Unterstützung und Planung unseres Aufenthalts (Werbung, da Pressereise). Wir stellen nur Erlebnisse und Aktivitäten vor, die wir selbst getestet haben und die wir Freunden empfehlen würden!
















