Abu Dhabi mit Kids: Zwischen Strand, Wüste und Kultur
Abu Dhabi? Manch einer zieht jetzt vielleicht die Augenbrauen hoch, weil er bislang nur Dubai auf dem Schirm hatte – oder die Emirate generell für ein fragwürdiges Familien-Reiseziel hält. Doch Abu Dhabi hat unsere Autorin Laura und ihre Familie voll und ganz überzeugt, mit jeder Menge Abenteuer, Kultur und Natur! Vom Kindermuseum im Louvre bis hin zum Tagestrip in die Wüste: Hier sind unsere fünf Highlights für Familien.
Abu Dhabi ist ein Archipel aus mehr als 200 Inseln, von denen immer mehr erschlossen werden – und jede dieser Inseln hat ihren ganz eigenen Charakter. Das macht das Emirat zu einem unglaublich vielseitigen Reiseziel für Familien, weit über die großen (und teuren) Vergnügungsparks wie Ferrari World, Warner Bros. World oder Yas Waterworld hinaus.
1. Manarat al Saadiyat – Wo Kinder zu Künstlern werden
Als mein Mann Jack, unser vierjähriger Sohn Leo und ich in unserem Hotel auf der Saadiyat Island ankommen, spielen wir kurz mit dem Gedanken, einfach die ganze Woche hier zu verbringen – so wunderschön ist der Strand mit dem feinen, weißen Sand und dem unglaublich klaren, türkisblauen Wasser.
Die Insel hat aber noch mehr zu bieten, was wir uns nicht entgehen lassen wollen. Der „Saadiyat Cultural District“ versammelt gleich mehrere coole Museen auf einem Fleck, drei weitere stehen kurz vor der Eröffnung. Angefangen hat diese Entwicklung 2009 mit dem Kunst- und Kulturzentrum Manarat Al Saadiyat – und genau da fangen wir jetzt auch an: im hauseigenen „Art Studio“, einem offenen Kunstraum, wo Kinder Workshops machen oder sich künstlerisch frei austoben können. Das Studio ist viel größer als wir dachten. Auf mehreren Ebenen verteilen sich zahlreiche Stationen mit unterschiedlichen Angeboten, von „kubistischen Gesichtern nach Pablo Picasso“ über arabische Kalligraphie bis hin zu abstrakten Blumen. Leo liebt Malen und Basteln, aber er entdeckt etwas, das er noch nie probiert hat: Ton. Die Station ist liebevoll vorbereitet, Tonstücke stehen ebenso bereit wie Kinderkittel, und auf dem kleinen Tisch liegt eine Anleitung, wie man aus dem Stück Ton ein Blatt zaubert. Leo ist begeistert, und die eineinhalb Stunden, die man hier für gerade einmal sieben Euro verbringen kann, vergehen wie im Flug.
2. Children’s Library – Dünenspielplatz und Lesespaß
Am nächsten Tag machen wir uns auf den Weg zu der Insel, von der die Entwicklung Abu Dhabis ausging: Abu Dhabi. Ja, so heißt sowohl das Emirat als auch die Insel mit dem alten Stadtzentrum. Im Vergleich zur modernen Saadiyat Island, die erst ab den 2000er-Jahren erschlossen wurde, wirkt Abu Dhabi mit seinen Hochhäusern aus den 1980er- und 1990er-Jahren beinahe „altmodisch“, aber auch charmant und gemütlich.
Mitten in der Altstadt versteckt sich der „Al Hosn Cultural District“. Al Hosn ist eine historische Festung, das älteste Steingebäude Abu Dhabis, und rund um dieses ist ein spannendes Gelände entstanden, unter anderem mit der großen „Children‘s Library“. Im Eingangsbereich stolpern wir quasi in den Spielbereich „The Dunes“, wo Leo sofort fröhlich die Dünen aus weichem Stoff erklimmt und sich wieder heruntergleiten lässt. Nach einer Weile rennt er um die Dünen herum, bleibt an einer Sitzecke in den Bücherregalen hängen und hält mir ein Buch zum Vorlesen hin. Das gleiche sehe ich auch bei anderen Kindern – toll, wie die Kleinen hier spielerisch ans Lesen herangeführt werden.
Später spazieren wir durch den Außenbereich von Al Hosn, der mir sehr gut gefällt: Die sandfarbenen, geometrisch geformten Gebäude vereinen das emiratische Erbe mit modernem Design. Um ein großes Wasserbecken herum reihen sich Foodtrucks und Cafés und sogar ein Sterne-Restaurant, „Erth“, in dem wir zum Abschluss fantastisch speisen.
3. Wüstensafari – Naturerlebnis für Groß und Klein
Runter von den Inseln und tief ins Herz des Emirats führt uns das, was wir am Schluss übereinstimmend als Highlight unserer Reise bezeichnen werden: die Wüstensafari. Wir fahren knapp eine Stunde aus der Stadt heraus durch immer karger werdende Landschaften, bis wir die Ausläufer der Wüste erreicht haben. Dort hält der Fahrer an, lässt zischend die Luft aus den Reifen und lenkt den Wagen dann von der Straße in den Sand hinein Richtung Dünen. Dort gibt er plötzlich Gas, heizt die steile Düne hinauf und wieder hinunter. Jack jauchzt vor Begeisterung, er hatte sich schon auf das so genannte „Dune Bashing“ gefreut. Für Leo dagegen war das Mittagessen wohl nicht lange genug her: Ihm wird übel. Zum Glück verlangsamt der Fahrer sofort und fährt in gemächlicherem Tempo weiter bis zum Camp, wo wir den Rest des Nachmittags verbringen.
Jetzt sind wir wirklich mitten in der Wüste. Sand, soweit das Auge reicht, durchfurcht von wellenartigen Mustern, die der Wind in die Dünen gemalt hat. Die Rub al-Chali ist mit rund 680.000 Quadratkilometern die größte zusammenhängende Sandwüste der Erde. Dort spielt Leo jetzt begeistert Geheimagent, folgt den Fußspuren im Sand, klettert an der Dünenwand wie sein Lieblingsheld Spidey und rutscht sie anschließend laut lachend hinunter. Wir reiten gemeinsam auf einem Kamel und sehen dann der Sonne dabei zu, wie sie als roter Ball hinter den Dünen verschwindet. Später auf dem Rückweg fragt Leo erschöpft, aber glücklich: „Können wir morgen wiederkommen?“
4. Reem Central Park – Geheimtipp von Locals
Der Reem Central Park wird eigentlich nur von Einheimischen genutzt, denn er liegt auf der wenig touristischen Al Reem Island – ein echter Geheimtipp! Der Park bietet jede Menge Unterhaltung für alle Geschmäcker: Es gibt einen kleinen Strand, einen Spielplatz für kleinere Kinder, Skate- und Basketballanlagen für größere. Außerdem schöne Spazierwege mit Wasserläufen und kleinen Becken. In einem beobachten wir, wie eine künstliche Strömung das Wasser im Kreis dreht, ein anderes durchqueren wir über mehrere Betonsteine hüpfend.
Dann will Leo ein elektrisches Kinderauto mieten – ich überrede ihn, lieber an einem der Foodtrucks ein Eis zu holen. Das schlecken wir am Strand mit Blick auf die Skyline am anderen Ufer: Der Park liegt nämlich an einem der Meeresarme, die sich überall zwischen den Inseln hindurchschlängeln. Es ist schon dunkel, die Hochhäuser gegenüber leuchten. Als sein Eis fertig ist, jagt Leo durch den Sand, in immer weiteren Kreisen um uns herum. Sorgen macht mir das nicht, denn Abu Dhabi ist, dank strikter Gesetzte, extrem sicher. Auch als Frau alleine nachts durch die Stadt zu laufen ist kein Problem.
Schließlich mieten wir noch ein elektrisches Boot in Schwanenform und gleiten über das dunkle Wasser. Tagsüber kann man hier auch durch Mangroven fahren, jetzt ist das leider nicht erlaubt. Trotzdem wirkt die Stadt plötzlich weit weg, bis auf das leise Tuckern unseres Schwans und das Zirpen von Zikaden ist nichts zu hören.
5. Louvre – Weltraumreise im Kindermuseum
Wir enden dort, wo wir angefangen haben: im Saadiyat Cultural District. Dort gibt es nämlich auch noch das Louvre Abu Dhabi. Schon von weitem sieht es toll aus mit seiner gigantischen, halbrunden Kuppel. Das ganze Spektrum dieses architektonischen Meisterwerks zeigt sich aber erst, wenn man darunter steht: Wie die Sonne durch die sternförmigen Öffnungen der acht Stahl- und Aluminiumschichten fällt, ist beinahe überirdisch schön! Während Jack und ich staunen, springt Leo ausgelassen von einem tanzenden Lichtpunkt zum nächsten.
Als wir uns sattgesehen und -gehüpft haben, gehen wir ins hauseigene „Children‘s Museum“. Leo ist aufgeregt, ein eigenes Museum für Kinder! Er bekommt ein Armband mit Barcode, und los geht’s – ins Weltall. Es ist dunkel, Sterne überziehen die Wände, Weltraum-Sounds lassen echte Space-Stimmung aufkommen. Mit seinem Armband kann Leo an jeder Station einchecken, dann erscheint sein Name auf einem Display und er kann ein Spiel spielen. Einmal soll er astronomische Messinstrumente so sortieren wie er sie in der Vitrine sieht, nämlich chronologisch nach deren Entwicklung: von der Sonnenuhr bis zum Satelliten. An einer anderen Station gilt es, eine Rakete in den Farben auszumalen, die er auf einem Bild an der Wand sieht.
Am Ende erreichen wir den Mars – eine offene Spielfläche, wo Leo begeistert in einem „Marskrater-Trampolin“ hüpft, eine „Katzentransportkiste“ baut und mit mir ein Riesen-Memory spielt. Erst nach einer gefühlten Ewigkeit hat er genug und sagt: „Kommt, wir nehmen den Tunnel zur Erde!“
In Sachen Transparenz: Vielen Dank an das Department of Culture and Tourism Abu Dhabi für die Unterstützung und Planung unseres Aufenthalts (Werbung, da Pressereise). Wir stellen nur Erlebnisse und Aktivitäten vor, die wir selbst getestet haben und die wir Familien empfehlen!

















