Outdoor-Paradies im 3-Länder-Eck
Kiten, wandern und biken inmitten hoher Berge: Dafür ist die Ferienregion Reschensee im Obervinschgau eine Top-Adresse. Und wenn das Wetter mal nicht mitspielt, kann man in ein cooles Erlebnisbad gehen oder durch pittoreske Städtchen bummeln. Trips4kids-Autorin Antoinette Schmelter-Kaiser hat das breitgefächerte Angebot ausprobiert und war begeistert.
Wenige Orte assoziiert man so automatisch mit einem Bauwerk wie den Reschensee. Denn Stauseen gibt es zwar vielerorts, aber keinen zweiten mit einem weithin sichtbaren Glockenturm mitten im Wasser – dem der alten Pfarrkirche St. Katharina. Dieses Markenzeichen ist das einzige Überbleibsel der ursprünglichen Dorfs Graun. Ansonsten wurde jedes Haus und jeder Hof abgetragen, als Ende der 1940er Jahre eine große Mauer im Talgrund entstand und mehrere Gebirgsbäche zur Stromerzeugung aufstaute. 70 Prozent der Bevölkerung wanderten damals aus oder ab – ein bis heute unvergessenes Ereignis.
Kitesurfen dank Düseneffekt
Der sechs Kilometer lange künstliche See ließ aber auch Neues entstehen. Durch die steilen Hänge an beiden Seiten entsteht eine Schneise mit Düseneffekt, die die Winde aus Norden und Süden verstärkt. Resultat ist ein zuverlässiges Thermikrevier für Kitesurfer – im Sommer wie Winter, weil dann der zugefrorene See zum Snowkiten genutzt wird. Schnupperkurse organisiert die Kiteschool Caramba in Graun. Anfänger beginnen mit Trockenübungen an Land, weil anfangs schon das Austarieren des Schirms samt langer Schnüre herausfordernd ist. Für Fortgeschrittene gibt es Gruppen- und Einzelunterricht – bei mehr Mut und Geschick mit Kite-Foil oder Wing-Foil, also einer Kufe unter dem Board für noch mehr Tempo und Wendigkeit. Wer sich (noch) nicht selbst ins Wasser traut, kann Könnern zuschauen, die über den Reschensee sausen und meterhoch springen. Idealer Standort dafür ist das Gelände des coolen Adrenalina Kitesurf Clubs. Hier werden auch SUPs ausgeliehen, auf denen man den Kirchturm umrunden kann – ein außergewöhnliches Erlebnis.
Zum Sonnenaufgang auf den Piz Lad
Aus dem Rahmen fällt auch eine Sonnenaufgangs-Wanderung. Das man dafür mitten in der Nacht aufstehen muss, ist ein Stolperstein. Aber als wir aus dem Wandertaxi aussteigen, das uns um drei Uhr früh im Hotel abholt und zur Rescher Alm auf 2000 Metern bringt, überwiegt die Neugier. Mit Stirnlampen geht es über Wiesen vorbei an Kühen, die sich über die frühen Passanten wundern. Schon eine Dreiviertelstunde später weicht die Dunkelheit der Morgendämmerung, die sich mit einem Streifen in Pastellorange und -blau über den Bergsilhouetten auf der anderen Talseite ankündigt. Schritt für Schritt geht es dem Gipfel des Piz Lad entgegen, die letzten Höhenmeter auf steilen Serpentinen. Pünktlich um 5.35 Uhr haben wir es zum Gipfelkreuz auf 2808 Meter geschafft: Hinter der gegenüberliegenden Bergkette geht die Sonne auf und beseelt uns so sehr, dass die ganze Gruppe ergriffen schweigt und staunt. Unser Guide hat aber noch mehr Highlights in petto. Über einen Gratweg führt er uns zu einer Stelle, wo er Steinböcke vermutet und zu unserer Begeisterung auch findet. Beim Abstieg sehen und hören wir dann immer wieder Murmeltiere, staunen über bunte Schmetterlinge sowie Blumen und freuen uns auf das Frühstück, das uns auf der Rescher Alm erwartet: Vinschgerl, Käse, Speck, Butter, Gurken, Müsli, Jogurt – genau das Richtige, um wieder zu Kräften zu kommen. Insgesamt gibt es in der Ferienregion Reschensee über 300 Kilometer markierter Wege – auf Gipfel, entlang traditioneller Bewässerungskanäle namens Waale, rund um verschiedene Themen oder unter dem Motto „360° Erleben“ mit elf Etappen, den schönsten Ausblicken auf den Obervinschgau und interaktiven Naturstationen.
Biken von moderat bis sportlich
Von Frühling bis Herbst ist das Wandern in der Ferienregion Reschensee bei Gästen genauso gefragt wie das Biken – egal ob mit dem Rennrad oder Mountainbike, letzteres auch auf abwechslungsreich-sportlichen Enduro Trails. Besonders beliebt bei moderaten Radfahrern ist der Etschradweg, der ab Reschen der antiken Römerstraße Via Claudia Augusta folgt und größtenteils flach oder bergab bis nach Meran führt. Mit E-Mountainbikes, die man vielerorts ausleihen kann, sind aber auch Abstecher in die Seitentäler des Obervinschgaus gut zu schaffen. Zum Beispiel vom hübschen historischen Örtchen Burgeis über das Kloster Marienberg mit der höchstgelegenen Benediktinerabtei Europas zur Laatscher Alm oberhalb von Schleis. Auf ein kurzes Stück Asphaltstraße folgen schattige Schotterwege durch Bergwälder und schließlich Wiesen im abgeschiedenen Arundatal; insgesamt 1000 Höhenmeter geht es – dank Tretkraftunterstützung durch den Motor – ohne großes Anstrengung fast zwei Stunden lang stetig bergauf. Umso besser schmecken Nudelsuppe, Kaiserschmarren und Brotzeit auf der Laatscher Alm, um die herum Dutzende Kühe weiden; ihre Milch wird vor Ort täglich zu Käse verarbeitet, den man kosten und kaufen kann. Zurück ins Tal geht es dann mit wenig Trampeln und viel Bremsen – Fortgeschrittene flotter, vorsichtige Einsteiger in gemäßigterem Tempo.
Attraktive Schlechtwetter-Aktivitäten
Die Ferienregion Reschensee ist ein Dorado für Outdoor-Aktivitäten. Es gibt aber auch attraktive Schlechtwetter-Alternativen. Zum Beispiel das Erlebnisbad Curunes in Graun – die neue Wasserwelt des Vinschgaus, wo man unter dem Motto „Eintauchen, treiben lassen, wohlfühlen“ in einem stylish designten Gebäude am Ufer des Reschensees schwimmen, saunieren und lecker essen kann. Architekturfans sollten außerdem PUNI am Ortsrand von Glurns ansteuern: In dieser ersten Whisky-Destillerie Italiens wird schottische Braukunst in einem puristisch-modernen Gebäude zelebriert, das der renommierte Südtiroler Architekten Werner Tscholl entworfen hat – innen ein Kubus aus Sichtbeton, um ihn herum eine schattenspendende Hülle aus versetzt gemauerten roten Ziegelsteinen. Traditionelles Kontrastprogramm gibt es gleich nebenan in der kleinsten Stadt südlich der Alpen: Umgeben von einer dicken Stadtmauer, wirkt das mittelalterliche Glurns mit liebevoll restaurierten Häusern, engen Gassen und niedrigen Arkaden so romantisch wie aus einem Märchen. Die „Stationen einer kleinen Stadt“ erklärt die gleichnamige Ausstellung im Schludernser Torturm.
In Sachen Transparenz: Wir bedanken uns ganz herzlich bei der Ferienregion Reschensee für die Einladung (Werbung, da Pressereise) und bei Crystal Communications für die Organisation. Wir berichten nur über Hotels und Destinationen, die wir selbst getestet haben und die wir auch Freunden empfehlen würden.















