Hannover zu zweit – Kunst, Kultur und ganz viel Lebensfreude
Einfach mal raus, am besten mit einem coolen Städtetrip? Ein bisschen Kunst, die nicht aus der Kita kommt, Kultur ganz ohne Kasperle und in einem tollen Restaurant mal nicht die Pommes und Apfelschorle bestellen. Unsere Autorin Nadine Sorgenfrei hat sich im Rahmen einer Pressereise mal Hannover angeschaut. Ihre Empfehlung: „Hin da!!!“

Ein Wochenende mit der besten Freundin zwischen Galerien, Gärten und Genießermomenten – genau das wünsche ich mir schon lange mal. New York? Paris? Bangkok? Alles coole Städte, aber da wir nur ein Wochenende Zeit haben, sollte es keine Riesenmetropole sein und die Anreise auch nicht zu viel Zeit vergeuden. Wir entscheiden uns für Hannover – mit der Bahn super erreichbar, nicht zu groß und trotzdem gibt es da alles, was wir uns für unser Wochenende wünschen. Hannover ist eine Stadt der kurzen Wege, die tagsüber viel Ruhe ausstrahlt, zugleich unheimlich viel zu bieten hat und wo abends echt die Post abgeht. Niedersachsens Hauptstadt eignet sich damit perfekt für ein (verlängertes) Wochenende mit der besten Freundin. Mit moderner Kunst, barocker Gartenpracht, coolem Design an allen Ecken und dann auch noch dem Meer …
Fast alles ist zu Fuß zu erreichen
Mit dem Zug kommen wir mittendrin an: Das Smartcity Designhotel am Thielenplatz liegt nur fünf Minuten vom Hauptbahnhof entfernt. Von hier ist vieles, was man sich in Hannover ansehen sollte, fußläufig erreichbar. Die Zimmer sind hell, modern und im coolen Minimalismus-Stil gehalten. Also genau die richtige Abwechslung zu vollen Wäschekörben und Spielzeug zu Hause.
Als ersten Ausflug schlendern wir zum Maschsee, Hannovers Herzstück. Vom Ufer aus beobachten wir Segelboote, Jogger drehen ihre Runden und wir quatschen eine ausgiebige Runde, bevor es zum Abendessen geht. Das bell’ARTE liegt direkt am Ufer des Maschsees, mit Blick auf das Wasser und die goldene Abendsonne. Direkt daneben ist das Sprengel Museum. Der Clou: Neben dem üblichen, mediterranen Angebot gibt es eine ausstellungsbegleitende Speisekarte mit kulinarischen Interpretationen der Werke von Künstlern, die grade im Sprengel Museum gezeigt werden. Ich bestelle den Pumpkin Kusama mit Vorfreude auf die Ausstellung, die wir uns für morgen vorgenommen haben. Köstlich! Das Leben darf ruhig öfter so schmecken.
Tipp: Wenn du in Hannover ankommst, plane den ersten Abend bewusst ohne Programmpunkte. Ein Spaziergang durch die Innenstadt zum Maschsee und ein gemütliches Essen sind der beste Start in ein entspanntes Wochenende.
Farben, Formen, Fantasie
Der nächste Morgen gehört der Kunst. Das Sprengel Museum zählt zu den bedeutendsten Museen für moderne Kunst in Deutschland – und schon das Gebäude selbst ist ein architektonisches Statement. Besonders freue ich mich auf die aktuelle Ausstellung „Niki. Kusama. Murakami. Love You For Infinity“ (noch bis zum 14. Februar 2016). Wer Hannover besucht, kommt an Niki de Saint Phalle nicht vorbei. Niki de Saint Phalle und Hannover – das ist eine echte Liebesgeschichte zwischen einer Künstlerin und einer Stadt. In den 1970er-Jahren schenkte die französisch-amerikanische Künstlerin Hannover drei ihrer berühmten, farbenprächtigen Skulpturen: die Nanas. Diese üppigen, tanzenden Frauenfiguren in leuchtenden Farben stehen am Leineufer, direkt an der Skulpturenmeile, und gehören längst zu den Wahrzeichen der Stadt. 2000 spendete Niki de Saint Phalle dem Sprengel Museum einen großen Teil ihres künstlerischen Nachlasses. Hier befindet sich heute die weltweit größte öffentliche Sammlung ihrer Werke – darunter Modelle des berühmten Tarot-Gartens in der Toskana, frühe Assemblagen und großformatige Skulpturen. Doch Nikis Leben war nicht nur bunt – sie litt lebenslang unter dem Missbrauch, dem ihr eigener Vater sie als Kind aussetzte. Berühmt wurde sie durch ihre „Schießkunst“, bei der sie mit Farbpatronen auf ihre eigenen Werke schoss.
Murakami bringt auf den ersten Blick farbenfrohen, verspielten Pop-Art in die Ausstellung: Niedliche Mickey-Maus-ähnliche Köpfe oder quitschbunte Blumen gehören zu seinen klassischen Werken – irgendwo zwischen Manga, Comic und Hochkultur. Doch was auf den ersten Blick bunt, fröhlich und kindisch wirkt, zeigt auf den zweiten Blick ungeahnte Tiefen – kleine Grimassen mit spitzen Zähnen, Totenköpfe, düstere Elemente bringen mich zum Innehalten und Nachdenken. Murakami lässt mit seinen Werken tief in seine Seele blicken. Als wir später eine Halle betreten, in der extrem große Exponate von ihm ausgestellt werden, bin ich doch froh, mal ohne Kinder unterwegs zu sein: Mit einem deckenhohen, goldenen Penis oder einem überdimensionalen, pornografischen Mangamädchen zeigt der Künstler seine ambivalente Beziehung zu seiner Sexualität.
In eine wahre Traumwelt entführen mich die Installationen von Yayoi Kusama. Die japanische Künstlerin hat mit ihren Punkten, Spiegeln und endlosen Mustern eine ganz eigene Welt geschaffen. Wenn man vor ihren Werken steht, fühlt man sich wie in einem Traum aus Licht und Bewegung – irgendwo zwischen Kunst, Meditation und Zauberei. Kusama spricht in ihrer Kunst von Unendlichkeit und Selbstauflösung, aber auch vom Wunsch, Teil eines größeren Ganzen zu sein. Schon in den 1960er-Jahren schockte und faszinierte sie die Kunstszene New Yorks mit avantgardistischen Performances und ihren berühmten „Infinity Mirror Rooms“, von denen auch einer im Sprengelmuseum aufgebaut ist. In diesem hypnotischen Raum verliert man kurz das Zeitgefühl und ein wenig auch die Orientierung. Trotzdem kann ich mich nicht sattsehen …
Tipp: Bringt genügend Zeit für das Museum mit. Neben der Ausstellung „Niki. Kusama.Murakami. Love you for infinity“ zeigt das Museum unter anderem auch Werke der klassischen Moderne mit Schwerpunkten wie dem deutschen Expressionismus, Kubismus und Surrealismus, Gegenwartskunst sowie wechselnden Themenausstellungen. Und: Der Merge von „Love you for infinity“ ist ziemlich cool. Unbedingt ein Mitbringsel im Budget einplanen!
Ab an’s Meer!
Nachmittags zieht es uns in die Natur. Wir verlassen die Stadt und erkunden die Region Hannover. Diese umfasst neben der niedersächsischen Landeshauptstadt noch 20 weitere Städte und Gemeinden im Umland, was schnell erreichbar und absolut lohnenswert ist. Mittagessen gibt es im berühmten Fischrestaurant „Hodann Use Diek“ in Steinhude. Der Fisch ist frisch gefangen, selbst geräuchert und einfach nur lecker. Dazu sitzen wir (schon wieder!) mit Blick aufs Wasser – perfekt für eine gemütliche Auszeit mit Genuss!
Das Steinhuder Meer ist übrigens kein echter Ozean, sondern der größte See Nordwestdeutschlands und ein beliebtes Ausflugsziel in der Region Hannover. In dem charmanten Ort Steinhude und seiner malerischen Umgebung kann man herrlich schwimmen, wandern, windsurfen, segeln oder radfahren. Wir bleiben an Land und bummeln herum, naschen ein Eis und genießen die Sonne. Herrlich, wenn man so schnell vom Großstadttrubel auch mal eine ganz ruhige, entspannte Pause einlegen kann. Nur der Kunst können wir auch hier nicht entfliehen – auf der Skulpturenpromenade begegnen wir modernen Werken zwischen Schilf und Wiesen. Manche aus Stein, manche aus Metall, alle voller Charakter. Es ist, als würde die Kunst hier einfach mit der Landschaft verschmelzen.
Tipp: Besonders charmant ist das Scheunenviertel im Nachbarort Wunstorf. Die Scheunen von 1756 stehen rund um einen zentralen Platz, auf dem allerlei Feste, Märkte und Feiern stattfinden. In den Scheunen gibt es kleine Läden, Cafés und Galerien.
Kommen Sie und staunen Sie!
Was benötigt man für einen tollen Abend? Ich würde sagen: Pizza und gute Unterhaltung! Die angeblich beste Pizza Hannovers gibt es im „Bestia“ in der Osterstraße. Meine ist wirklich hervorragend und vor allem das Dessert – eine hauchdünne Pizza, in der eine großzügige Portion Pistaziencreme eingeschlagen ist – bleibt mir noch lange im Gedächtnis.
Satt und zufrieden besuchen wir das GOP Varieté-Theater Hannover. Schon das Ankommen ist ein Erlebnis – roter Samt, goldene, üppige Kronleuchter und plüschige Sessel lassen uns in eine andere Welt eintauchen. Zwischen Avantgarde und Tradition bestaunen wir faszinierende Artistik in stimmungsvollem Ambiente. Absolut eine der besten Arten, den Alltag mal für ein paar Stunden zu vergessen.
Tipp: Noch bis zum 4. Januar 2026 läuft im GOP Varieté-Theater in der Georgstraße die Show „Formidable“, in der die Weltspitze der Zirkuskunst artistische Höchstleistungen zeigt.
Lustwandeln zwischen Gartenpracht und sprudelnde Fontänen
Für unseren letzten Tag in Hannover haben wir etwas geplant, auf das ich mich ganz besonders freue: die Herrenhäuser Gärten. Als Gärtnerstochter fühle ich mich zwischen Pflanzen immer ganz besonders wohl. Zugegeben: Die Herrenhäuser Gärten haben wenig mit unseren Familiengewächshäusern gemeinsam – das hier ist eine ganz andere Liga. Die Königsklasse nämlich, denn die Herrenhäuser Gärten wurden ursprünglich für die Welfenfamilie gebaut. Vor allem die Kurfürstin Sophie spielte eine entscheidende Rolle bei der Gestaltung des Großen Gartens, der ab 1675 als Lustgarten angelegt und zwischen 1696 und 1714 zu seiner barocken Form ausgebaut wurde.
Hier ist einfach alles auf Prunk und Schönheit ausgerichtet: perfekt symmetrische Wege, heimische und exotische Pflanzen, Springbrunnen, duftende Blumenrabatten – alles so prachtvoll. Kein Wunder, denn die Herrenhäuser Gärten standen lange in Konkurrenz zu den Gärten von Versailles.
Unsere charmante Guide Octavia zeigt uns kunstvolle Hecken, goldene Skulpturen, spiegelnde Wasserbecken und kleine Pavillons. Dazu verrät sie uns unterhaltsam und leidenschaftlich ganz viel über die Entstehung der Gärten, das Leben der Welfen und das Schicksal der Kurfürstin Sophie. Eine Hauptattraktion ist die große Fontäne. Sie schießt Wasser bis zu 70 Meter in die Höhe. Kurfürst Georg Ludwig ließ sie 1720 bauen und flexte damit bestimmt so richtig unter seinen adeligen Freunden.
Ich finde, dass man die Herrenhäuser Gärten öfter besuchen sollte. Je nach Jahreszeit sind die Beete ständig im Wandel, immer gibt es etwas Neues zu entdecken. Eine Konstante bildet die Niki de Saint Phalle-Grotte. Sie ist das letzte große Kunstprojekt, das Niki de Saint Phalle vor ihrem Tod abschloss und ist für alle Besucher frei zugänglich.
Wir stärken uns in der Schlossküche Herrenhausen, wo regionale Küche in prachtvollem Ambiente serviert wird. Keine günstige Pommesbude, aber dafür ein echtes kulinarisches Erlebnis. Am liebsten würde ich noch weiter durch die Gärten bummeln, aber wir werden heute bereits am Nachmittag rausgeschmissen. Aus einem guten Grund …
Lichter, Musik und die Beatles
Zu unserem Abschied lässt Hannover es noch einmal so richtig krachen: mit dem Internationalen Feuerwerkswettbewerb in den Herrenhäuser Gärten. Schon bei der Anreise liegt eine ganz andere Aufregung in der Luft, als noch am Morgen. In die S-Bahn drängen sich Menschen mit Picknickkörben, prall gefüllten Rucksäcken und aufgerollten Decken unter dem Arm. Die Stimmung ist besonders fröhlich. Im Garten ist jetzt eine große Fläche abgesperrt, Kabel und Kisten liegen überall und eifrige Techniker treffen letzte Vorbereitungen. Ebenso wie die Besucher, die ihre Decken ausbreiten, ihr Picknick aufbauen und sich schon mal zuprosten. Die Gärten sind belebt mit aufwendig kostümierten Stelzen- und Maskenläufern, es gibt an allen Ecken Musik, künstlerische Darbietungen und Leckereien. Da England heute das Feuerwerk abschießt, zieht sich ein britischer Flair durch die Gärten. Es gibt Fish and Chips, Sandwiches, Trifle und Cottage Pie. Ich freue mich besonders über die ReCartney, eine Beatles-Coverband, die im Gartentheater auftritt.
Als es dunkel wird, steigt die Spannung – und erreicht ihren Höhepunkt, als die ersten Raketen den Himmel erleuchten. Das rund 30-minütige Feuerwerk ist ein Kunstwerk aus Licht und Klang. Abgestimmt auf große Filmhits verwandelt die Pyrotechnik den Himmel über Hannover in ein atemberaubendes Lichterspiel. Das britische Team inszeniert ein Feuerwerk, das Geschichten erzählt – mal leise und romantisch, mal laut und überwältigend. Später am Abend steht England dann auch als Sieger des diesjährigen Wettbewerbes fest. 2026 geht der Internationale Feuerwerkswettbewerb in den Herrenhäuser Gärten in seine 34. Saison. Unter dem Motto „Dance of Northern Lights“ treten an fünf Abenden zwischen Mai und September Teams aus dem Norden gegeneinander an.
Tipp: Picknickkorb und Decke mitnehmen! Viele Zuschauer kommen schon am Nachmittag, um sich einen schönen Platz auf der Wiese zu sichern.
In Sachen Transparenz: Diese Reise erfolgte auf Einladung der Hannover Marketing und Tourismus GmbH (HMTG). Die Organisation, Programmgestaltung und Kostenübernahme (Anreise, Unterkunft und ausgewählte Programmpunkte) wurden von der HMTG unterstützt (Werbung, da Pressereise). Wir berichten nur über Hotels und Destinationen, die wir selbst besucht haben und die wir auch Freunden empfehlen würden.















