Entschleunigung auf dem Lido
Nach Tagen voller Kunst, vielen Menschen und sommerlicher Hitze auf der Biennale in Venedig sehne ich mich nach Ruhe. Nur zwei Vaporetto-Stationen von den Giardini entfernt wartet mit dem Lido di Venezia eine völlig andere Welt. Drei Tage im kleinen, familiengeführten Hotel Meridiana zeigen, wie nah Entschleunigung und Dolce Vita beieinanderliegen.
Wer mehrere Tage durch die engen, heißen Gassen Venedigs streift, sich von Ausstellung zu Ausstellung treiben lässt und dabei unzählige Eindrücke sammelt, kennt das Gefühl: Irgendwann braucht der Kopf eine Pause. Nach meinem Besuch der Biennale ist genau das der Plan. Ich möchte durchatmen, am Strand liegen, gut essen und vor allem gut schlafen. Dafür könnte der Lido di Venezia kaum besser geeignet sein.
Nur zwei Vaporetto-Stationen von den Giardini entfernt verändert sich die Atmosphäre schlagartig. Statt Touristengruppen und dichtem Gedränge bestimmen Fahrräder das Straßenbild. Alles wirkt entspannter, ruhiger und gelassener. Der Lido fühlt sich an wie eine kleine Auszeit vom Trubel der Lagunenstadt – obwohl Venedig nur wenige Minuten entfernt ist.
Kleine Oase im schönen Garten
Für meinen Aufenthalt habe ich das kleine, eigentümergeführte Hotel Meridiana gewählt. Mit dem Bus sind es nur wenige Haltestellen vom Vaporetto-Anleger. Das Hotel liegt angenehm ruhig in einem wunderschönen Garten und gleichzeitig ganz in der Nähe des Strandes. Schon beim Betreten fühlt es sich wie eine kleine Oase an.
Besonders herzlich ist der Empfang. Die Chefin begrüßt mich persönlich, wir tauschen zunächst ganz entspannt die wichtigsten Daten aus und stoßen bei einem Glas Prosecco auf meinen Aufenthalt an. Anschließend begleitet sie mich selbst auf mein Zimmer. Dort wartet gleich die nächste Überraschung: Statt des gebuchten Einzelzimmers bekomme ich ein kostenloses Upgrade und freue mich über das deutlich größere Bett. Die Einrichtung ist schlicht und italienisch. Also ein bisschen old-fashioned, aber charmant und sauber. Im ganzen Hotel kommt so ein bisschen Retro-Gefühl auf mit den dunklen Möblen, den Perser-Teppichen und den vielen Bildern an der Wand.
Lieblingsplatz am Strand
Kaum habe ich meinen Koffer ausgepackt, zieht es mich direkt an den Strand Quattro Fontane. Einen Liegestuhl mit Sonnenschirm kann man bequem digital buchen, vor Ort suche ich mir aber lieber selbst meinen Lieblingsplatz aus. Obwohl bereits Anfang Juli ist und die Urlaubssaison in vollem Gange, wirkt der Strand angenehm entspannt. Vor allem Italiener verbringen hier ihre Ferien, internationale Touristen begegnen einem dagegen nur selten.
Viele Familien mieten sich für die gesamte Saison eine der kleinen Holzkabinen am Strand. Dort bleibt alles verstaut, was man für einen perfekten Sommertag braucht. Zur Mittagszeit werden Kühltaschen geöffnet, das Essen an kleinen Holztischen serviert und anschließend ein Mittagsschläfchen in der Sonne gehalten. Später sitzen Großeltern, Eltern und Enkel zusammen, spielen Karten oder beobachten das Treiben am Meer. Es ist diese selbstverständliche italienische Sommerleichtigkeit, die den Strand so besonders macht.
Frühstücken im schattigen Garten
Am Abend bietet das Hotel zwar kein eigenes Restaurant, doch das ist überhaupt kein Problem. In der nahegelegenen Fußgängerzone finden sich zahlreiche kleine Lokale. Ich entscheide mich für eine klassische Pasta und genieße den entspannten Abendspaziergang dorthin. Zurück im Hotel sorgt die Klimaanlage für eine angenehm kühle Nacht – genau das Richtige nach einem heißen Sommertag.
Mein persönliches Highlight ist jedoch das Frühstück im Garten. Die Gäste sitzen unter schattigen Bäumen und am Buffet stehen frisches Obst, Müsli, Eier, süße Croissants, hausgemachter Kuchen sowie eine große Auswahl an Aufschnitt bereit. Niemand drängt zur Eile. Man holt sich einfach noch einen zweiten Cappuccino, liest ein paar Seiten im Buch und startet ganz gemächlich in den Tag. Die Gäste sind ganz unterschiedlich: Es gibt einige Familien mit Kindern, mehrere Paare, zwei Alleinreisende wie ich und eine Truppe aus England die mit ihren Harleys einen Abstecher zum Lido machen. Eine bunte Mischung vieler verschiedener Nationalitäten.
Entschleunigung nach Venedig Trubel
Vor der Abreise unternehme ich noch einen langen Strandspaziergang. Von außen bewundere ich das legendäre Hotel Excelsior, beobachte Badegäste, Spaziergänger und die Wellen der Adria. Während in Venedig weiterhin die Biennale Besucher aus aller Welt anzieht, scheint auf dem Lido die Zeit ein wenig langsamer zu vergehen.
Drei Tage reichen zwar nicht aus, um den Lido in all seinen Facetten kennenzulernen. Sie reichen aber völlig, um neue Energie zu tanken. Wer nach intensiven Kulturtagen in Venedig ein paar entspannte Stunden am Meer verbringen möchte, findet im Hotel Meridiana und auf dem Lido di Venezia einen wunderbaren Ort zum Ankommen, Abschalten und Genießen.
In Sachen Transparenz: Selbst bezahlt, keine Pressereise. Wir berichten nur über Hotels und Destinationen, die wir selbst getestet haben und die wir auch Freunden empfehlen würden.













