Idyllisches Glampen im belgischen Wald
Ein Wald voller Ruhe und zwei bekennende Nicht-Camper, die aber Gefallen am Glamping finden. Im Nutchel Forest Village in den belgischen Ardennen lassen sich zwischen Petroleumlampen, Panoramafenster und Grillabenden wunderbare Tage in idyllischen Knusperhäuschen verbringen. Und nebenbei zeigt sich, dass Natururlaub erstaunlich luxuriös sein. Anders luxuriös!
Es beginnt ja alles gar nicht mal so gut. Unser Problem: das Vorhängeschloss. Kein gewöhnliches Vorhängeschloss, sondern eines mit einem Bügel, der ungefähr die Spannweite einer Hängebrücke hat und sich offenbar ohne technisches Hochschulstudium nicht durch die meilenweit auseinander liegenden Ösen an der Tür bringen lässt. Ich stehe also vor unserem märchenhaften Knusperhäuschen mitten im Wald der Ardennen und versuche, dieses renitente Metallteil durch die Ösen zu manövrieren, während meine Komplizin die Szene mit dieser Mischung aus Belustigung und milder Resignation beobachtet. Sie hat sich das über die Jahre an meiner Seite antrainiert. Dass die Rezeptionistin des Nutchel Forest Village meinen hilflosen Blick zunächst mit leicht genervter Routine quittiert, dann aber das Schloss, das ich ihr entgegenstrecke, selbst prüfend dreht und wendet, weil sie schließlich auch nicht überreißt, wie was und wo, liebe ich sehr. Eigentlich beginnt alles doch ganz gut hier in Belgien.
Skeptiker sollten glampen
Wir sind keine Camper. Wirklich nicht. Also so gar nicht. Weder besitzen wir ein Zelt, noch empfinden wir harte Böden, krümelnde Schlafsäcke oder die Hälfte des Waldbodens, die sich ja nach ein paar Tagen immer im Zelt befindet, romantisch oder so. Und die Vorstellung, Sanitäranlagen mit Wildfremden zu teilen, löst im Grunde auch eher Fluchtreflexe als Urlaubsgefühle aus. Und doch stehen wir jetzt hier in diesem Wald. Freiwillig und sogar mit Vorfreude, denn im Zuge einer Internetrecherche bin ich damals zufällig auf diese Cosy Cabins des Nutchel Forest Village gestoßen. Es war eine Art winterlicher Instagram-Moment, der hängen geblieben ist. Diese Hütten mitten im Wald – schlicht, aber irre stimmungsvoll – hatten etwas, das sich schwer erklären lässt, jedoch sofort neugierig macht. Hier geht es nicht um Camping, sondern um Glamping – also um „glamouröses Camping“. Die charmante Fusion aus Naturerlebnis und Komfortzone, wenn man so will.
Klar war uns „Glamping“ bereits ein Begriff. Aber beschäftigt? Nein, beschäftigt hatten wir uns damit nie. Aber das Konzept schien für uns rasch stimmig: keine logistischen Meisterleistungen und großen Ingenieurskünste beim Zeltaufbau, keine nächtlichen Expeditionen mit Taschenlampe Richtung Toilette, dafür gemütliche Betten, echte Küchen und ausreichend Platz, um nicht einem seiner Mitbewohner irgendwann mit einem Schlappen ins Auge steigen zu müssen. Von Wien, woher wir kamen, ist die Anreise mit etwas Strecke verbunden, doch von Köln aus wirkt das Ziel dann doch überraschend nah – als läge dieses kleine Naturrefugium nur einen Steinwurf entfernt.
Kaminfeuer statt Bildschirmzeit
Jetzt abgesehen von dem Vorhangschlossding. Schon die ersten Minuten im Nutchel Forest Village zeigen, dass dieser Aufenthalt in den belgischen Ardennen anders wird. Mitten im Wald, fernab von Straßenlärm und Alltagshektik, stehen die charmanten Holzhäuser locker verteilt auf einem weitläufigen, renaturierten Gelände. Alles wirkt ruhig, durchdacht und erstaunlich unaufgeregt hier nahe der luxemburgischen Grenze. Kaum betreten wir unser Häuschen im Gehölz, muss ich natürlich Feuer machen. Glasklar, das Gesetz besagt: Wenn’s einen Kamin gibt, kann draußen auch alles bei 30 Grad in Badehose und Bikini herumlaufen, aber drin muss Feuer gemacht werden. Punkt! Da es in den belgischen Ardennen während unseres Aufenthalts im Juli nur so um die 15 Grad hat, setzt auch die Komplizin nicht den „Oh Gott, er zündelt schon wieder“-Blick auf, sondern ist sich durchaus klar, dass unser Tiny House noch ein, zwei Grad mehr vertragen kann. Zugegeben, fünf bis acht hätten es vielleicht nicht sein müssen, aber es flackert einfach so schön.
So eine Cosy Cabin fühlt sich irgendwie nicht wie eine Unterkunft an, sondern eher wie ein kleines Zuhause auf Zeit, das uns sofort in den Bann sowie in unseren Rhythmus zieht. Bis zu sechs Personen finden hier auf drei liebevoll verteilte Schlafbereiche, in denen man sich nach einem langen Tag draußen gerne zurückzieht, gut Platz. Schon am ersten Abend lachen, schnippeln und improvisieren wir in der Wohnküche gemeinsam, während gegenüber der wirklich schönen Couch – eine Seltenheit in Unterkünften – das Feuer im Kamin vor sich hin züngelt. Richtig großes Kino ist das Panoramafenster, hinter dem der Wald nicht einfach nur beginnt, sondern regelrecht die Scheibe hochklettert. Man wähnt sich drinnen fast draußen, was auch mit den Lichtverhältnissen zu tun hat: Morgens fällt das erste Licht zwischen die Bäume, abends verschwimmen die Schatten der Äste mit dem flackernden Feuer im Raum. Hier kann man zu jeder Tageszeit auf der Couch sitzen und einfach deppert schauen. Man sollte ja sowieso viel häufiger einfach nur deppert schauen. Ja, hier ist alles ziemlich magisch
Es ist ein anderer Luxus
„Hätte ich als Kind doch nur derartiges einmal erlebt“, denke ich mir, während ich mit einer der Petroleumlampen durch die Hütte wandle, was eine leicht mystische, fast schon theatrale Stimmung erzeugt. Was zunächst wie Verzicht klingt, entpuppt sich hier im Nutchel Forest Village schnell als der eigentliche Luxus: kein WLAN, kein Fernseher, so gut wie kein künstliches Licht. Stattdessen hängende Petroleumlampen, knisterndes Feuer und das leise Rascheln der Bäume. Statt eines Kühlschranks gibt es übrigens eine Box mit Kühlakkus, die auch frisch hält. Diabolisch grinsend schiebe ich noch ein Holzscheit in den Kamin.
Für jene, die ihre Auszeit mit Kindern hier verbringen, bedeutet all das vor allem drei Dinge: Raum, Raum und Raum! Raum, um sich selbst zu beschäftigen, um kreativ zu werden, um die Umgebung wahrzunehmen. Das autofreie Gelände ermöglicht es den Kids, sich völlig frei zu bewegen, was ihnen vermutlich sogar ein bereits selten gewordenes Gefühl von Unabhängigkeit beschert. Nein, sicher sogar, denn selbst unsere Wege mit der Petroleumlampe durch den Wald fühlen sich schon an wie kleine Expeditionen. Für Kids ist hier wohl auch jeder umgestürzte Baumstamm ein kleiner Abenteuerspielplatz. Wir ernähren uns optisch davon.
Im Cosy Chalet, dem Haupthaus und zentralen Treffpunkt des Areals, wird dieses Konzept ergänzt: Hier gibt es eine kleine Bibliothek mit Büchern in verschiedenen Sprachen für Alt und Jung, aber auch einen Indoor-Spielbereich und jede Menge Bastelmaterialien, damit die Kids auch ein ansprechendes Schlechtwetterprogramm fahren können. Was wir hier im Nutchel Forest Village so sexy finden: diese Reduktion auf das Wesentliche, die entschleunigt und ganz ohne erhobenen Zeigefinger auskommt.
Ein charmantes Kuriosum erwartet uns nur wenige Minuten entfernt: Martelange, ein kleines Dorf, dessen Hauptstraße zugleich die Grenze zwischen Belgien und Luxemburg bildet. In dem einen Land kauft man Butter, Milch und Brot, im anderen tankt man seine Karre voll. Europa zum Anfassen gleichsam. „Schau, nur drei Schritte und wir überschreiten die Grenze und sind in Belgien!“, sagt ein Vater an der luxemburgischen Tanke zu seinem Fortpflanz.
Ein Barbecue im Wald
Am Abend unseres dritten Tages wird der große Grill angeworfen. Unter der überdachten Terrasse trotzen wir dem launischen Wetter und zelebrieren in diesem „Slow Living“-Setting ein Barbecue, das sich irgendwo zwischen rustikal und exzessiv einpendelt. Ich lege allerlei Gemüse für die Komplizin und ungefähr ein halbes belgisches Rind für mich auf den Rost. Es ist einer dieser Abende, an denen Gespräche länger dauern, das Essen besser schmeckt und sich der Zeiger einfach nicht in die Kurve legt. Noch einmal: Es ist magisch.
Weil wir aber nicht nur Dinge die Peristaltik hinunter schieben und träge sind, lernen wir auch die Region kennen. Einfach, weil sie auch viel zu bieten hat – egal, ob für ein Paare wie uns, Familien oder Soloreisende. Der Naturpark rund um den Anlier-Wald lädt zu Wanderungen ein, die je nach Motivation zwischen gemütlichem Spaziergang und kleiner Expedition variieren. Entlang des Flusses Sûre wiederum kann man am Wasser entspannen oder sich im Angeln versuchen. Wer Lust auf kleine Ausflüge hat, erreicht in überschaubarer Distanz gleich mehrere sehenswerte Orte: die elegante Stadt Luxemburg natürlich, das pittoreske Durbuy – oft als kleinste Stadt der Welt bezeichnet – oder das an der Maas gelegene Dinant, das im Laufe seiner Geschichte unglaubliche 20 Mal von ein anderen Weltmacht erobert wurde, dabei aber nie etwas von seiner Schönheit eingebüßt hat.
Ein Ausflug, der uns extrem beeindruckt hat, war der zu den Grotten von Han-sur-Lesse. Schon die kurze Anfahrt mit der historischen Straßenbahn zum Eingang – angeblich eine der schönsten Tropfsteinhöhlen Europas – hatte etwas Besonderes. Das rund 17 Kilometer lange Höhlensystem, das schon in prähistorischer Zeit als Zufluchtsort diente, zeigt auf dem etwa zwei Kilometer langen, zugänglichen Abschnitt beeindruckende Galerien und teils bizarre Gesteinsformationen. Immer wieder begleitet uns die Lesse, die geheimnisvoll durch den Berg fließt, plötzlich auftaucht und kleine Seen speist.
Der absolute Höhepunkt war für uns aber die Show „Origin“, die Licht, Ton und Felsformationen verknüpft und im Herzen der Tropfsteinhöhle die Geschichte der Erde erzählt. Man muss sich bei diesem 360-Grad-Multimedia-Spektakel in dieser Höhlenkathedrale extrem disziplinieren, um nicht nur zu filmen und zu fotografieren, da man dieses beeindruckende Schauspiel schlichtweg einfangen will. Direkt angeschlossen an die Höhlen ist ein großer Wildtierpark mit zahlreichen europäischen Tierarten in naturnaher Umgebung sowie ein geschichtliches Museum. Leider hat uns dafür am Ende die Zeit gefehlt. Mit Kids im Gepäck ist der Tierpark im einstigen Flussbett der Lesse natürlich ein absolutes Must-see!
Viel zu kurz, aber erstaunlich reich
An unserem letzten Tag gönnen wir uns noch eine kleine Radtour. Die Räder kann man sich unkompliziert und niederschwellig beim Cosy Chalet ausborgen. Unsere Runde ohne große Steigungen führt uns über sanfte Hügel und durch ruhige Waldstücke, immer wieder unterbrochen von kleinen Ausblicken und kurzen Stopps. Zurück im Village sind wir schließlich angenehm müde und uns einig, dass ein letzter Urlaubstag genau so aussehen sollte.

In Sachen Transparenz: Vielen Dank an Nutchel Village für die Unterstützung und Planung unseres Aufenthalts (Werbung, da Pressereise). Wir stellen nur Erlebniss und Aktivitäten vor, die wir selbst getestet haben und die wir Freunden empfehlen würden!














