Der Drahtseiakt zwischen Abschieden und Abenteuern
Unsere Autorin Adrienne Friedlaender, die auch Bestsellerautorin ist, erzählt in „Halbzeit mit Aussicht“ vom Ausbruch in eine neue Lebensphase – über den Auszug des letzten Kindes, die ungeahnte Freiheit, die Entdeckerfreude, aber auch von dem Mut, den es braucht, um gelernte Muster und Zweifel hinter sich zu lassen.
1. Du beschreibst in Halbzeit mit Aussicht ein Jahr voller Selbstversuche. Was war der Auslöser, dieses Projekt zu beginnen?
Nachdem meine Jungs flügge geworden waren, brauchte ich erst einmal Zeit. Es braucht Übung und Vorbereitung, sich neu zu orientieren. Dazu kam eine große Portion Neugier. Und dann habe ich beschlossen, dieses Projekt zu beginnen.
2. Du hast dir die Frage gestellt: Wer bin ich ohne To-Do-Liste, ohne Familie? Welche Antwort hast du gefunden?
Die Antworten sind gar nicht entscheidend, entscheidend ist, sich diesen Fragen ehrlich zu stellen. Fakt ist: Die Zeit zwischen 30 und 60 ist genauso lang wie zwischen 60 und 90. Wenn alles gut geht, habe ich noch Jahrzehnte vor mir. Das spornte mich an, mich auf die Suche zu begeben: Welche Wünsche und Träume waren da früher? Welche wollen endlich gelebt werden? Welche haben sich überholt, welche sind neu?
3. . Du hast eine Löffelliste gemacht. Was ist das und was steht darauf?
Es geht dabei um die Ziele, Wünsche und Träume, die man verwirklichen möchte, bevor man den Löffel abgibt. Auf meiner Liste stand zum Beispiel ein Wochenende im Schweigekloster, einen Welpen großziehen, herausfinden, was Glück für mich bedeutet und welcher Knoten in Sachen Partnerschaft und Liebe für mich noch platzen muss.
4. In einem Selbstversuch bekamst Du die Aufgabe, einen Traumpartner zu konfigurieren. Wie geht das?
Ich sollte auflisten, wie ich mir meinen Traumpartner wünsche und was ich mit ihm erleben möchte. Ich hatte schon eine vage Idee im Kopf, aber eine Liste zu erstellen, fühlte sich an, als würde ich einen Neuwagen nach meinen Wünschen konfigurieren. Damit habe ich leider wenig Erfahrung: Ich habe immer günstige Gebrauchtwagen gekauft, aber dann tauchten zig Fehler und Macken auf. Es ist also womöglich zielführender, das künftige Traumpartner-Modell genau zu checken, zumal es sich in meinem Alter ja durchweg um in die Jahre gekommene Gebraucht-Exemplare handelt.
5. Nach allen Selbsterfahrungen und der Arbeit an diesem Buch: Wie hat sich Dein Blick verändert?
Ich habe gelernt, mit meinem Gedankenkarussell umzugehen. Ich werde vermutlich immer ein Sorgenseelchen bleiben. Aber heute glaube ich, ich kann künftig mit mehr Leichtigkeit durchs Leben gehen. Vielleicht die allerbeste Erfahrung in dieser Zeit: Keine der tausend Bedenken, Sorgen und Ängste, über die ich mir vor meinen Abenteuern den Kopf zerbrochen habe, sind eingetroffen. Und meinem jüngeren Ich würde ich folgenden Ratschlag geben: Du kannst es nicht allen recht machen. Behalte deine Ziele und deine Berufung im Auge – auch während der Familienzeit. Sei mutig, probiere Neues aus, mache Fehler. Lass deine Kinder los und hab Vertrauen, dass sie ihren Weg finden werden. Sei stolz auf dich und alles, was du geleistet hast.













