Wander-Auszeit in Tirol – mit Lerneffekt!
Nirgends bekommt man den Kopf freier als beim Wandern in einer traumhaften Alpenkulisse. Das zeigt eine Erlebnis-Tour in der Tiroler Gemeinde Imst. Überaus nützlich: Unser Autor Thomas Weiß lernt “Mountain Skills” von erfahrenen Guides – und weiß schließlich, was er beim nächsten Urlaub mit der Familie in Sachen Vorbereitung, Ausrüstung und Sicherheit beachten muss.
Sie ist eine der erfolgreichsten Dokus in der ARD-Mediathek: Die Reportagereihe “In höchster Not – Bergretter im Einsatz”. Dort wird gezeigt, wie Rettungskräfte in den Alpen vor allem mit einem zu kämpfen haben: unzureichend ausgerüsteten, wenig informierten Touristen, die sich selbst beim Wandern in Gefahr bringen. Sie retten Menschen, die in Sneakern durch Eisfeldern rutschen, dehydriert auf Gipfeln festhängen oder ihre Kinder für eine Tour völlig überfordert haben. Damit mir das beim nächsten Familienurlaub in den Bergen nicht auch passiert, verraten mir die besten Profis in Sachen Berg-Erlebnis im Tiroler Urlaubsort Imst, was ich tun muss, um die Wunderwelt der Region voll genießen zu können.
Die Anreise
Meine Münchner Freunde kennen Imst vor allem als kleines, aber feines Ski-Gebiet in Tirol, da es gut über die Inntalautobahn erreichbar ist. Oft haben sie schon überlegt, hier auch den Sommer zu verbringen. Ich kann ihnen jetzt sagen: Es lohnt sich! Die Anfahrt ab München per ÖBB ist unproblematisch und schnell: Nach Innsbruck ist es per Railjet nur eine Stunde. Die Umsteigezeit in Innsbruck von vier Minuten, um den Regionalexpress REX auf einem anderen Gleis zu erreichen, erscheint mir erst völlig unrealistisch. Doch pünktlich wie ein Schweizer Uhrwerk (die Heimat der Eidgenossen ist nah!) kommen wir an, ohne Hetzerei geht es in den Zug. Etwa eine Dreiviertelstunde später ist der Bahnhof Imst-Pitztal direkt am türkis leuchtenden Inn erreicht. Ein Bus bringt mich in ein paar Minuten zum Zentrum.
Die Region Imst ist sehr alpin und gotische und barocke Bauten stehen neben modernen Konstruktionen. Man merkt an den Geschäften und Menschen in den Straßen, dass es hier im Sommer vor allem um eins geht: Wandern und Bergsport.
Die Ausrüstung
Was packen Sie ein, wenn Sie wandern fahren in die Alpen und noch keine richtige Erfahrung damit haben? Turnschuhe und eine Jacke genügen doch, oder? Unser Wanderführer Manuel, der uns am ersten Tag der Reise begleitet, wendet seinen Blick erst nach unten: Und hält sich sichtlich zurück. Die leichten Sneaker einiger Besucher gefallen ihm gar nicht. Und er erklärt auch wieso: Schuhe sind auf einer Wanderung die wichtigste Ausrüstung. Gerade, wenn es nass wird, wie auf unserer ersten Tour, rutscht man mit Turnschuhen aus. Die Knöchel sind ungeschützt und das Schuhwerk wird nass. Wer also mit den Kids loszieht, sollte ihnen allen gutes Schuhwerk gönnen, das die Knöchel bedeckt, wasserabweisend ist und über ein gutes Profil verfügt.
Eine Regenjacke ist Pflicht, darunter im Schichtenmodell T-Shirt. Longsleeve und am besten noch ein Fleecepulli. Eine Kopfbedeckung, ob Wanderhut oder Basecap, ist auch sehr empfehlenswert.
Die erste Tour
Eine der Hauptattraktionen von Imst ist die wilde Rosengartenschlucht – sie ist ohne Eintrittsgeld zu bewandern, nur im Sommer, denn im Winter sind hier Schnee und Eis die Herrscher. Wer in der Stadt wohnt, kann direkt loswandern: Der Eingang befindet sich fast noch im Ortskern, bei der pittoresken Johanneskirche. Uns erwartet ein Naturspektakel, eine Schlucht, an deren Steilwände sich anfangs noch Häuser anlehnen. Dann wird es immer wilder, ein Weg mit Felstreppen, Tunneln und Brücken beginnt. Vergleichbar erscheint mir die Rosengartenschlucht mit der Höllental- und Partnachklamm bei Garmisch-Partenkirchen. Der Weg ist teilweise anspruchsvoll durch das Spritzwasser des wilden Gebirgsbach, aber auch für Kinder machbar. Gerade für die Kids ist die Schlucht sogar perfekt. Jede Brücke, jeder Tunnel bietet einen anderen Blick auf Wasserfälle. Früher wurde hier Bergbau betrieben, ein Überrest ist etwa die “Blaue Grotte”, eine Höhle, die man betreten kann.
1,5 km geht es hoch, 250 Höhenmeter sind zu überwinden. Es kommt mir wesentlich weniger vor, so spannend ist die Strecke entlang des Schinderbachs. Umgestürzte Bäume, Alpenrosen und Weiden lassen mich in eine urwüchsige Atmosphäre eintauchen.
Canyoning
Wir erreichen in knapp über einer Stunde das obere Ende der Schlucht. In Hoch-Imst starten die Seilbahnen in die umliegenden Bergen. Hier ist aber auch die Basis für unser nächstes Abenteuer: Canyoning in der Rosengartenschlucht. Auch beim Canyoning, dem Begehen einer Schlucht von oben nach unten, ist die richtige Ausrüstung wichtig. Neoprenanzug, Helm und Tragegeschirr fürs Abseilen sind Pflicht – und natürlich ein guter Führer. Unser Guide Manuel weist uns ein, dann springen wir in das kalte Gebirgswasser des Schinderbachs. Abwechselnd rutschen wir über die Felsen flussabwärts. Ein großer Spaß! Durch den Neoprenanzug wird die Kälte gut abgehalten, das Wasserrauschen unterstützt die völlige Konzentration, die wir dann zwei Stunden lang erleben. Manuel, ehemaliger Alpinpolizist und Vater zweier Kinder, seilt uns bei den schwierigsten Stellen ab, die größte Gaudi sind aber die Rutschpartien dazwischen.
Die Tour ist auch für Kinder geeignet, wie Manuel berichtet. Kindercanyoning können Kids ab sechs Jahre. Wichtig: Der Gebirgsbach kann durch Regenfälle auch mal zuviel Wasser führen, dann findet kein Canyoning statt, also besser die Verfügbarkeit prüfen!
Die zweite Tour
Die Rosenschlucht ist nur eines der Naturwunder, die sich in Imst präsentieren. Wandern in der faszinierenden Bergwelt ist hier natürlich absolut im Fokus. Für eine wirklich beeindruckende Trekking-Tour fahren wir von Hoch-Imst aus mit der Imster Bergbahn. Nach dem Umstieg in der Mittelstation erreichen wir die Bergstation auf 2050 Meter.
Dann zeigt uns unsere erfahrene Bergführerin Silvia Mair (48) mit ihrem Border Collie Buddy eine der schönsten Wandertouren, die ich je gegangen bin. Der Rundwanderweg führt uns zunächst zur Aussichtsplattform “Adlerhorst”. Auf der weit hinausragenden Konstruktion kann man auch die Perspektive des Raubvogels einnehmen – und mit Glück sogar einen Blick auf einen der hier jagenden Adler entdecken. Der Blick auf Imst, den daneben liegenden markanten Tschirgant (2370 m), den Imster Hausberg Muttekopf (2774 m) und die nahen Ötztal und Pitztal ist spektakulär. Höhenangst sollte man keine haben, denn nach dem Aussichtspunkt geht’s beim Bergwandern seitlich vom Weg steil nach unten.
Coole Überraschung: Silvias Freund Patrick, Bauer und im Sommer auch Hirte in den Imster Bergen, zeigt uns einige seiner Ziegen, um die er sich kümmert. Nach dem ausgezeichneten Mittagessen in der Muttekopfhütte (1934 m) geht es vor einer Bergkulisse, die die Rocky Mountains alt aussehen lässt, zurück zur Mittelstation der Imster Bergbahnen – eine rundum empfehlenswerte Tour.
Abschluß mit Speed und Genuss
Als Abschluss wartet noch ein Highlight: Sommerrodelbahnen gibt es heute viele, der Alpine Coaster, der hier von der Mittelstation bis ins Tal geht, ist aber etwas Besonderes, nämlich die längste Alpen-Achterbahn überhaupt. Die Fahrt lohnt sich durch die trickreichen Kurven, die gute Beschleunigung und vor allem durch die Dauer!
Am besten eine Fahrt in Kombination mit der Gondel zurück zur Mittelstation buchen. Hier wartet wohl die leckerste Einkehr der Region auf den Besucher. Der umtriebige Gastwirt Martin Winkler betreibt an dieser Stelle die Untermarkter Alm, oder kurz UALM. Aktuellstes Spezial für Genießer: der Teppanyaki-Grillabend, buchbar ab 4 Personen. Jeden Samstag werden dann hier die Grills aufgebaut und ein genussvoller Abend mit Fisch, Fleisch und Feuer stilvoll inszeniert. Dazu ist die Weinauswahl von Wirt Martin Winkler beeindruckend.
Letzter Sicherheitsaspekt, den wir beim genussvollen Essen gelernt haben: Immer die Liftzeiten im Auge behalten! Die letzte Gondel der UAlm-Bahn fuhr bereits um 17 h ab. Da die Alm auch per Auto erreichbar ist, kein großes Problem. Trotzdem, keiner will mit müden Kindern den Abstieg riskieren, wenn mal die letzte Talfahrt schon vorbei ist. Die UALM bietet aber auch 30 modern gestaltete Übernachtungsplätze an, vom Mehrbettzimmer zur Alm-Suite.
In Sachen Transparenz: Wir bedanken uns bei „Imst Tourismus“ für die freundliche Einladung (Werbung, da Pressereise) und bei Biss PR für die tolle Organisation. Wir stellen nur Hotels, Destinationen und Aktivitäten vor, die wir selbst gestestet haben und die wir auch Freunden empfehlen würden.
















