Hyggelige Weihnachtszeit im Norden
Kerzen, Kuchen, Lichter und Gemütlichkeit – das können die Dänen wie kaum ein anderes Land. Kein Wunder also, dass sie es im Advent so richtig krachen lassen. Unsere Autorin Nadine wollte sich das mal ganz genau ansehen und ist zu unseren nördlichen Nachbarn gefahren. Und sie hat ein wahres Weihnachtsparadies gefunden.

Die Dämmerung setzt bereits ein, als wir an einem Freitagnachmittag im November in dem charmanten Sønderborg ankommen. Das weiche Licht der Spätnachmittagsdämmerung liegt wie ein Filter über den bunten Häusern der Stadt. Eva und meine Nichte Mila laufen voraus und drücken sich die Nasen an den hübsch dekorierten Schaufenstern platt – überall funkelt und leuchtet es und die Mädels geraten schon ein wenig in Shoppingfieber … Aber ich setze mich mit meinem Plan durch: Erst einmal eine Zimtschnecke! Denn das muss in Dänemark einfach sein. Wir besuchen das Café Kisling, ein kleines Schmuckstück mitten im Zentrum. Drinnen empfängt uns diese besondere dänische Mischung aus Gemütlichkeit und Schlichtheit: viel Holz, Kerzen auf den Tischen, Lichterketten und Tannenzweige im Fenster. Wir bestellen heiße Schokolade, die so dick ist, dass der Löffel fast stehen bleibt, und eine leckere Mischung an süßen Kuchen. Während draußen die Stadt vorweihnachtlich funkelt, sitzen wir zusammen, wärmen unsere Hände an den Tassen und lassen die Vorfreude auf ein richtig schönes, dänisches Adventswochenende wachsen.
Warum sind die Dänen eigentlich so weihnachtsbegeistert?
Das frage ich jemanden, der sich gut auskennt. Thomas Petersen ist waschechter Däne und Pressekoordinator der Region Südjütland. „Ich glaube, es liegt daran, dass Weihnachten für uns eine Zeit ist, in der das Einfache, Ruhige und Gemütliche, was wir Dänen ja sowieso lieben, noch mehr Bedeutung bekommt“, meint er. „Der Winter ist dunkel und lang, und deshalb suchen wir das Licht und die Nähe. Wir zünden Kerzen an, machen es uns drinnen warm und genießen die vielen kleinen Momente, die man sonst leicht übersieht. Diese Mischung aus Ruhe, Gemeinschaft und vor allem Hygge ist tief in unserer Kultur verankert und macht die dänische Weihnachtszeit so besonders.
Was die dänische Weihnachtszeit für mich wirklich einzigartig macht, ist das ganz besondere Miteinander. Man rückt ein Stück näher zusammen, nimmt sich bewusster Zeit füreinander und lässt den Alltag ein wenig draußen vor der Tür. Selbst auf der Arbeit spürt man das. Viele Firmen haben ihre eigenen Traditionen, und manchmal gibt es auch nisseleg, bei dem Kolleginnen und Kollegen sich kleine Weihnachtsstreiche spielen oder einander heimlich eine Freude machen. Das sorgt für Lachen, Wärme und ein Gefühl von Gemeinschaft, das man so nur im dänischen Dezember findet.“
In Aabenraa beginnt Weihnachten nicht einfach – es wird geweckt
Am Samstag fahren wir nach Apenrade. Als wir am Storetorv, dem Marktplatz, ankommen, ist der Platz schon voller erwartungsfroher Kinder, die mit roten Wangen und Mützen im Gesicht nach vorn drängen. Der Marktplatz ist schön geschmückt und es klingen Weihnachtslieder. Eva und Mila suchen sich einen guten Platz, denn um zehn Uhr tritt der Bürgermeister hervor, um gemeinsam mit den Kindern den Weihnachtsmann zu wecken. Und tatsächlich: Unter lautem Jubel öffnet er die Augen, winkt – und verteilt anschließend kleine Tüten voller Süßigkeiten. Auch meine Mädchen strahlen (nur zu einem Foto mit dem Weihnachtsmann konnte ich sie nicht überreden). Ich muss grinsen, weil diese alte dänische Tradition wohl ein gutes Beispiel dafür ist, wovon Thomas geschwärmt hat: die Gemeinschaft. In Apenrade ist es der ganze Ort, der sich gemeinsam auf die Adventszeit einstimmt. Kurz darauf setzt sich die „Aabenraablæserne“, eine fröhliche Musikgruppe, in Bewegung und füllt die Fußgängerzone mit schmissigen Blechbläserklängen. Auch der charmante Weihnachtszug düst durch die Innenstadt. Wer mag, kann einfach einsteigen.
Das Dorf der Herzen
Wir schlendern gemütlich, bestaunen die festlich geschmückten Geschäfte und erreichen nach einem guten Kilometer die „Julehjertebyen“, das Weihnachtsherz-Dorf. Das Julehjertebyen wirkt, als hätte jemand ein altes Weihnachtsbuch aufgeschlagen und wir wären einfach hineingepurzelt. Kleine Häuser sind liebevoll nach Vorbildern aus dem Apenrase des 19. Jahrhunderts gebaut. Kinder können hier Weihnachtsschmuck basteln, überall duftet es nach heißem Kakao, Punsch und frisch gebackenen Æbleskivern – das sind kleine dänische Quarkbällchen, die wir in süße Marmelade tunken, bevor wir herzhaft reinbeißen.
Julehjertebyen wird von vielen Freiwilligen und Ehrenamtlern betrieben. In historischen Kostümen schenken sie Suppe aus, helfen beim Basteln oder erzählen Geschichten aus der Zeit, als Weihnachten noch viel einfacher war. An mehreren Stellen stehen kleine rote Herzen, in die man eine Spende für Familien in Not werfen kann – da ist sie wieder, die dänische Gemeinschaft. Wir schlendern durch das Dorf und genießen diesen Mix aus Tradition, Warmherzigkeit und dänischer Gemütlichkeit in diesem kleinen Weihnachtswunderland.
Krusmølle – ein Weihnachtswunderland ganz nah
Nur etwa 15 Autominuten von der deutschen Grenze entfernt liegt der Hof Krusmølle. Hier gibt es den charmantesten Weihnachtsmarkt, den ich je erlebt habe (und ich war schon oft in Lübeck).
Es fühlt sich eher an wie ein liebevoll inszeniertes Wintermärchen. Seit fast 40 Jahren verwandelt sich der Hof in einen ganz besonderen Adventsort, an dem Kinder wie Erwachsene sofort in Festtagsstimmung geraten. Im großen, wunderschön dekorierten Zelt duftet es sofort nach heißen Quarkbällchen und Punsch. Für kleinere Kinder gibt es eine Schlittenbahn und allerhand zu staunen und zu spielen. Draußen warteten sogar zwei echte Rentiere auf tierliebe Besucher.
Wir haben schon ordentlich Hunger und besuchen als Erstes Fru Loff’s Café für ein wärmendes Mittagessen nach typisch dänischer Tradition. In der urgemütlichen Stube mit alten Möbeln und viel historischer Dekoration fühlen wir uns sofort heimelig angekommen und schmausen bodenständige Kost auf höchstem Niveau: „Das Lieblingsessen des Weihnachtsmanns“ mit gerösteten Salbei-Kartoffeln, Weihnachtswurst, Rotkohl und einem leicht scharfen Tomatenrelish. Dazu eine Käseplatte und einen Lunch-Teller mit knuspriger Schwarte, eingelegten Äpfeln, Salaten, Aufschnitt, Käse und Sanddornmarmelade. Alles regional und einfach nur unheimlich lecker. Zum Nachtisch wird das Menü mit einer Schwarzbrottorte abgerundet – klingt ja nicht so süß, wird aber mit Schokolade, Marmelade, Sahne und Früchten zu einer echten Leckerei. Dazu heißen Kaffee und Apfelpunsch … Hmmmm, ich bin im Schmause-Himmel!
Gestärkt zum Shopping
Ein echter Höhepunkt – nicht nur für Schatzsucher und Shopping-Queens– ist der 2.000 Quadratmeter große Dachboden. Dort funkelt und überrascht es an jeder Ecke: von besonderen Dekorationen über kunstvolle Sterne bis hin zu kleinen Mitbringseln, die man so nur in Krusmølle findet. Alles im tollen skandinavischen Design, ohne zu viel Glitzer, Blinklichter und Kitsch. Holzbalken sorgen für Gemütlichkeit, Girlanden hängen von der Decke, Adventskränze und Weihnachtsbäume in allen Farben und Größen gibt es hier, und hinter jeder Ecke entdeckt man etwas, das man vorher nicht gesucht hat – aber plötzlich unbedingt haben möchte. Eva verliebt sich in ein Weihnachtsmaus-Haus, Mila in eine Kerze mit kleinen Herzen drauf, und ich überlege, ob wir unseren Tannenbaum in diesem Jahr komplett dänisch dekorieren. Wie schaffen die Dänen das nur immer? Ich shoppe ja allgemein nicht so gerne, auch keine Dekoartikel, aber dies ist sogar für mich ein Ort, an dem ich aus dem Staunen nicht herauskomme und leicht die Zeit vergesse. Wir drei lassen uns einfach treiben und genießen diese ganz eigene Mischung aus Natur, Nostalgie und dänischer Herzlichkeit, die Krusmølle so besonders macht – ein Weihnachtsort, der sich nicht nur sehen, sondern richtig fühlen lässt.
Tipp: „Fass‘ das bitte nicht alles an!“, diesen Satz habe ich von Eltern mit Kleinkindern sehr oft in der Deko-Scheune gehört. Es ist aber auch zu verführerisch! Wer das Ganze ein wenig entspannter haben möchte, sollte kleine Kinder vielleicht nicht mit in die Deko-Scheine nehmen oder – wenn sie schon ein wenig alleinbleiben mögen – in dem „Filmhus“ parken, einem kleinen, gemütlichen Kino, das zwischen den Dekoregalen steht.
Noch mehr Weihnachten: Ankunft im zauberhaften Tønder
Am nächsten Morgen fahren wir rund 50 km an die Westküste nach Tønder, einer kleinen Stadt, die in ganz Dänemark für ihren Weihnachtsmarkt und „Det Gamle Apotek“, die alte Apotheke, in der man tatsächlich das ganze Jahr über Weihnachtsartikel kaufen kann. Die kleinen Straßen rund um den Marktplatz sind schon geschmückt und bereit für die Adventszeit. Nun ja, fast bereit, denn wir haben uns um eine Stunde vertan, sonntags eröffnet der Markt erst um 11 Uhr statt um 10 Uhr. Da ein kalter Wind durch die Gassen fegt, entscheiden wir uns für eine Pause, bevor es eigentlich losgeht. Im „Klostercafeen“ tauchen wir in eine charmante Atmosphäre ein, denn es gilt als das älteste Haus der Stadt, vermutlich aus dem Jahr 1520. Schon von außen wirkt es wie ein kleines Stück Vergangenheit – mit seinen schiefen Balken, den tief sitzenden Fenstern und dem alten Mauerwerk, das unzählige Winter überdauert hat. Drinnen setzt sich dieser historische Zauber fort: niedrige Decken, knarrende Holzdielen und liebevoll erhaltene Details, die sofort das Gefühl geben, in einer anderen Zeit gelandet zu sein. Wir bestellen heißen Kakao mit viel Sahne – ein kleiner, perfekter Adventsmoment.
Mittlerweile startet auch draußen der Weihnachtstrubel. Ein Weihnachtszug tuckert an den Wochenenden durch die Stadt und hoch über der Touristinfo schwebt der berühmte „fliegende Weihnachtsmann“. Auf dem Marktplatz reihen sich kleine Hütten aneinander, aus denen es nach Glühwein, Æbleskivern und regionalen Spezialitäten duftet. Wir probieren warme Apfelküchlein, die innen weich und außen leicht knusprig sind, und schlendern weiter zur Alten Apotheke – einem magischen Ort für alle, die Weihnachtsdeko lieben. Auch hier herrscht wieder dieser unverwechselbare, dänische Stil vor. Ich kann mich jetzt nicht mehr zurückhalten und kaufe eine dicke Adventskerze, die jeden Tag eine Zahl von 1 bis 24 abbrennt. In der Mitte des Platzes steht der große Weihnachtsbaum der Stadt, geschmückt mit Tausenden kleinen Lichtern und leuchtend roten Kugeln. Wir bleiben einen Moment einfach stehen und lassen die Stimmung auf uns wirken. Hier in Tønder hat die Vorweihnachtszeit noch einen Hauch Nostalgie.
In Sachen Transparenz: Diese Reise erfolgte auf Einladung VisitDenmark und Visit Sønderjylland (Werbung, da Pressereise).Wir berichten nur über Hotels und Destinationen, die wir selbst besucht haben und die wir auch Freunden empfehlen würden.
















