Cascais und Sintra entdecken
Portugal ist für unsere Autorin Laura immer eine Reise wert. Und jedes Mal entdeckt sie mit ihrer Familie eine neue Seite des kleinen Landes am Atlantik. Diesmal: die Region im Nordwesten Lissabons, von Cascais bis Sintra. Dort gibt es nicht nur süße Städtchen, sondern auch tolle Gärten und Paläste, traumhafte Strände, die raue, aber wunderschöne Landschaft des Naturparks Sintra-Cascais – ach ja, und das Ende der Welt… Hier sind unsere fünf Highlights für Familien.
1. Bucht von Cascais: Abendspaziergang mit Eis
Es ist kurz vor 18 Uhr, als wir in Cascais ankommen. Die Fahrt vom Flughafen Lissabon hat gerade einmal eine knappe halbe Stunde gedauert. Es riecht nach Rosmarin, in der Ferne kreischen Möwen, Wellen rollen platschend auf einen Strand. Hallo, Urlaub! Mein Mann Jack, unser fünfjähriger Sohn Leo und ich spazieren unter Orangenbäumen hindurch, vorbei an gelb gestrichenen Häusern, blauen Türen und einer komplett mit blau-weißen Azulejos verkleideten Fassade. Ein paar Männer sitzen vor einer Bar und trinken Kaffee. Man könnte meinen, es wäre Wochenende, doch es ist ein ganz normaler Mittwochabend.
Eine holprige Pflasterstein-Straße führt in Richtung des Wellenplatschens, in die Bucht von Cascais. Auf dem Wasser vor dem kleinen Strand schaukeln bunte Fischerboote. Sie erinnern an die Vergangenheit der Stadt, die einst ein beschauliches Fischerdorf war, bis der portugiesische König Luís I. im Jahr 1870 die Zitadelle (siehe nächster Tipp) zu seiner Sommerresidenz umbauen ließ.
Mit dem Königshof kam der Adel. Prächtige Villen und Paläste entstanden, Cascais avancierte zur „Portugiesischen Riviera“, zum exklusiven Seebad der Oberschicht. Die Stadt lebt bis heute von diesem mondänen Flair der Vergangenheit – von den azulejo-gefliesten Fassaden, den geschnitzten Balkonen, den großbürgerlichen Häusern aus dem 19. Jahrhundert. An vielen Stellen blättern die Farben, bröckelt der Putz. Doch charmant ist Cascais noch immer. Vielleicht sogar gerade deshalb.
Insbesondere um diese Uhrzeit, wenn das Licht am Meer ganz besonders wird, leicht diesig, beinahe pastellig, wie hinter einem halbtransparenten Vorhang. Wir holen uns ein Eis bei Santini, angeblich die beste Eisdiele der Stadt. Die Preise haben es in sich, aber es lohnt sich! Mit lecker gefüllten Waffeln in der Hand spazieren wir zurück und beobachten, wie der Sonnenuntergang den Himmel über der Bucht rosarot färbt und die Möwen darauf kreischend einen Tanz aufführen.
2. Zitadelle von Cascais: Alte Mauern, moderne Kunst
Die Zitadelle von Cascais (portugiesisch: Cidadela de Cascais) ist eine historische Festungsanlage aus dem 16. und 17. Jahrhundert, die ursprünglich zum Schutz der Einfahrt zum Fluss Tejo und der Hauptstadt Lissabon errichtet wurde. So sieht sie von außen auch aus: dick, hohe Mauern, fest verschlossen gegen die Außenwelt.
Doch als wir die Anlage betreten, stehen wir plötzlich in einem großen Hof mit überraschend modernem Flair, hippen Restaurants und Cafés, einem Luxushotel – und überall Kunst. In mehreren Galerien und Ateliers, aber auch mitten im Hof, Skulpturen, Installationen. Die Festung beherbergt nämlich den Cidadela Art District, ein Projekt, das die ehemalige Militär- und Königsresidenz in einen offenen Raum für zeitgenössische Kunst verwandelt. Eine tolle Verbindung aus historischer Architektur und lebendiger Gegenwartskunst. Das gefällt auch Leo, der sich schon von klein auf für Kunst begeistert.
Nachdem wir die Freiluft-Galerie ausgiebig durchstöbert haben, essen wir in der Taberna da Praça zu Mittag. Das Restaurant ist einer Metzgerei angeschlossen, das Essen frisch, typisch portugiesisch und lecker. In der Etage über dem Restaurant entdecken wir einen großen Second-Hand-Buchladen, voll bis unter die Decke, aber liebevoll gestaltet, mit Büchern in allen Sprachen. Natürlich werden auch wir fündig, und Leo darf eine Urlaubslektüre mitnehmen.
3. Cabo da Roca: Am Ende der Welt
Der Cabo da Roca (deutsch: Felsenkap) ist der westlichste Punkt des europäischen Festlands und eine der bekanntesten Sehenswürdigkeiten Portugals. Den lassen wir uns natürlich nicht entgehen. Die halbstündige Fahrt von Cascais führt mitten durch den Naturpark Sintra-Cascais mit seinen rauen, aber wunderschönen Landschaften: Dichte Eichen- und Pinienwälder wechseln sich ab mit offenen Flächen, auf denen Rosmarin, Ginster und wilde Zistrosen wachsen.
Das Hinterland wird von der Serra de Sintra dominiert, einem kleinen Granitmassiv, das bis auf 528 Meter aufragt und das wir später noch kennenlernen werden. Entlang der Küste, wo wir heute unterwegs sind, prägen dramatische Steilklippen und wilde Sandstrände das Bild.
Am Kap empfängt uns ein starker Wind – leider normal hier oben, 140 Meter über dem Atlantik. Aber der Blick! Endlose Weite, leuchtend blaues Meer. Unten brechen sich Wellen weiß-schäumend an den Granitklippen, der Geruch von Salz liegt in der Luft. Für die Römer markierte das Kap als Promontorium Magnum („Großes Kap“) die Grenze der bekannten Welt.
Der markante rot-weiße Leuchtturm (Farol do Cabo da Roca) ist bei unserem Besuch leider geschlossen. Er wurde 1772 in Betrieb genommen und ist damit einer der ältesten Portugals.
4. Stadtbucht und Sandspielplatz: Die schönsten Strände
Natürlich darf beim Portugal-Urlaub auch ein Strandbesuch nicht fehlen. Oder zwei, oder drei. Angefangen beim kleinen Stadtstrand Praia da Ribeira, direkt vor dem historischen Zentrum von Cascais, wo Leo glücklich im Sand buddelt und mit einem gefundenen Stock Strichmännchen malt.
Am Rande des Zentrums lockt der deutlich größere Strand mit den beiden Abschnitten Praia da Conceição und Praia da Duquesa (die de facto aber zusammenhängen) zum Spielen, Rennen und Planschen am und im ruhigen Wasser. Ja, auch in der kühleren Jahreszeit, denn wenn die Sonne scheint, wärmt sie das ganze Jahr über. Zumindest die Füße gehen immer, findet Leo. An der Promenade sind mehrere Restaurants und Bars. Wir essen im Capricciosa Cascais mit tollem Blick über das Meer. Die Kellner sind super nett und bringen Leo gleich etwas zum Ausmalen, eine Kinderkarte gibt es auch.
Wer mehr Weite sucht oder surfen möchte, wird zum Beispiel am Praia do Guincho fündig, einem wunderschönen Naturstrand nordwestlich von Cascais. Am gemütlichen Praia das Maçãs (Apfelstrand) noch weiter nördlich stehen nicht nur diverse Restaurants zur Verfügung, sondern auch ein Spielplatz und ein Meerwasser-Freibad mit Rutschen.
5. Palácio de Monserrate: Reise in die Vergangenheit
Gleich vorab ein wichtiger Hinweis: Wenn ihr mit dem Auto unterwegs seid, gebt nicht einfach „Palácio de Monserrate“ bei Google Maps ein, sondern die GPS-Koordinaten von der Webseite des Palastes (siehe „Info“)! Dann landet ihr ohne schweißtreibende Umwege (ich sage nur enge Bergstraßen und Gegenverkehr…) auf dem Parkplatz vor dem Eingang zum Montserrate-Park.
Mehrere serpentinartige Wege führen durch den exotischen Garten zum Palast. Wir spazieren durch üppiges Grün, bewundern mannshohe Agaven, orange leuchtende Strelitzienblüten und fruchttragende Monsteras (ja, wirklich! Die Früchte schmecken toll, wie eine Mischung aus Banane und Ananas. Aber Achtung: Sie sind erst essbar, wenn sich die Schale von selbst ablöst). Vögel zwitschern, Wasser plätschert. Leo ist fasziniert von dem alten Bewässerungssystem, das sich durch den ganzen Park zieht, sucht überall nach den Kanälen und zeigt uns immer wieder begeistert, wenn er einen gefunden hat.
Der Palast ist ebenso schön wie der Garten. Seine Geschichte geht bis auf das Jahr 1540 zurück, als hier eine Kapelle zu Ehren Unserer Lieben Frau von Monserrat errichtet wurde. Diese fiel dem großen Lissabonner Erdbeben von 1755 zum Opfer. Ein knappes Jahrhundert später erwarb der britische Textilmillionär und Kunstsammler Sir Francis Cook das Anwesen und ließ den heutigen Palast erbauen.
Mit seinen feinen, maurischen Ornamenten erinnert er mich auf den ersten Blick an die Alhambra in Granada. Auf den zweiten Blick entdecke ich venezianische Elemente, Marmor-Säulen, Venus-Statuen. Tatsächlich ist der Montserrate-Palast eines der herausragendsten Beispiele portugiesischer Romantik-Architektur, mit einer eklektischen Stilmischung von venezianischer Gotik bis hin zu orientalisierenden Elementen. Das findet auch Kunstfreund Leo spannend, vor allem aber die Einblicke in die Zimmer und das frühere Leben hier.
In Sachen Transparenz: Vielen Dank an Visit Cascais für die Unterstützung und Planung unseres Aufenthalts (Werbung, da Pressereise). Wir stellen nur Erlebnisse und Aktivitäten vor, die wir selbst getestet haben und die wir Familien empfehlen!















