Schneesicheres Kleinod
Das Südtiroler Schnalstal liegt auf dem Weg von Meran zum Reschenpass. Auf einer Länge von 25 Kilometern verteilen sich vier Dörfer. Landschaftlicher Höhepunkt ist ein Gletscher, wo man von September bis Mai Ski laufen kann. Unsere Autorin Antoinette Schmelter-Kaiser hat sich mit ihrem Mann von verschiedensten Besonderheiten der Gegend überraschen lassen.
Raus aus der Gondel, rauf auf die Piste: Das ist der übliche Ablauf beim Skifahren. Von ihm machen wir nach der ersten Bergfahrt auf die Grawandspitze eine Ausnahme. Auf 3.212 Meter angekommen, lockt uns noch weiter oben in exponierter Lage eine Aussichtsplattform namens Iceman Ötzi Peak. Also lassen wir Ski und Stöcke stehen und stapfen los – wegen der dünneren Höhenluft, des verschneiten Wegs und der klobigen Skischuhe recht anstrengend. Doch die zehnminütige Kraxelei lohnt sich: Ganz still ist es auf der Stahlkonstruktion, der Rundum-Blick über verschneite Gipfel bis hin zum 3.905 Meter hohen Ortler atemberaubend. Unglaublich, dass sich vor 5.300 Jahren ein Jäger zu Fuß hierherwagte und auf seinem letzten Weg wohl von Verfolgern mit einem Pfeil getötet wurde, so die Erklärung der Info-Tafel. 1991 wurde die vom ewigen Eis konservierte Mumie des Mannes unweit des Ötzi Iceman Peak auf dem Tisenjoch gefunden, seit 1998 ist sie im Südtiroler Archäologiemuseum in Bozen zu sehen.
Fokus auf das Gletscherskigebiet
Auf dem Weg nach unten kreisen Gänsehaut-Gedanken an Ötzi in unserem Kopf. Doch dann steigen wir auf unsere Bretter und fokussieren uns auf das Gletscherskigebiet weit oberhalb der Baumgrenze und seine breiten, prima präparierten Pisten, die ein Schlepp- und mehrere Sessellifte erschließen. Bei Sonne, glitzerndem Schnee und tiefblauem Himmel ist das ein Genuss, besonders auf der Hintereis-Strecke, für die es zwei rote Abfahrts-Varianten gibt. Eine davon führt uns zur 1890 gebauten Schutzhütte Schöne Aussicht, wo wir vorausschauend für mittags reserviert haben. In der niedrigen Stube drängen sich Gäste. Wir hingegen haben mehr Platz und Ruhe in einem modern-alpinen Anbau aus hellem Holz, wo wir Pasta und Tiramisu bei Junior-Chef Josef Grüner bestellen. Ebenso sympathisch wie stylish zieht er ein besonderes Publikum an – dank gutem Essen, gemütlicher Zimmer und grooviger Musik auf der Panorama-Terrasse. Aufgewärmt und gestärkt probieren wir nach dem Essen die Talabfahrt aus, die kilometerlang hinunter bis Kurzras führt. Nach einem Abstecher auf die Lazaun-Abfahrten am Hang gegenüber gelangen wir mit der Gletscherbahn noch einmal schnell nach oben. Mit an Bord sind auch Gäste von Europas höchstgelegenem Glacier Hotel Grawand, das ausschließlich per Gondel zu erreichen ist.
Das Dörfchen mit dem kuriosen Namen Unser Frau
Um nicht auf dieses Transportmittel angewiesen zu sein, haben wir uns im Hotel Adlernest weiter unten im Schnalstal einquartiert. Zum Einstieg ins Skigebiet müssen wir mit dem Auto zwar 15 Minuten nach Kurzras fahren. Dafür liegt unsere Unterkunft am Rand eines netten, gewachsenen Dörfchens mit dem kuriosen Namen Unser Frau. Das ist so klein, dass es statt Straßennamen nur durchnummerierte Häuser gibt; vom XXL-Balkon unserer Family Suite aus ist sein Anblick morgens bei den ersten Sonnenstrahlen wie aus dem Bilderbuch. Für einen perfekten Start in den Tag sorgt auch das Frühstück, unter anderem mit Karotten-Ingwer-Apfel-Orangensaft zum Selbstpressen, Südtiroler Speck, Alm-Käse und knusprigen Vinschgauern vom Büffet. Abends werden wir mit einem mehrgängigen Menü verwöhnt, das auf ästhetischem Porzellan angerichtet und serviert wird. Denn Inhaber Matthias Gamper, der das Hotel von seinen Eltern übernommen hat und fortlaufend modernisiert, legt großen Wert auf gutes Essen. 80 Prozent der verwendeten Produkte kommen von Lieferanten seines Vertrauens aus einem Umkreis von 100 Kilometern.
Gastgeber von einer Generation zur nächsten
Für möglichst viel Kontakt zu seinen Gästen steht und berät der Junior-Chef nicht nur regelmäßig an der Rezeption, sondern ist auch abends im Restaurant-Service aktiv. Diese Gastgeber-Gen hat er bereits weitervererbt: Seine zweieinhalbjährige Tochter spiele im Kindergarten am liebsten Kellner, erzählt er. Dort decke sie leidenschaftlich gern den Tisch für andere Kinder. Von einer Generation zur nächsten: Das gilt auch für den Oberniederhof, der einen kurzen Spaziergang vom Adlernest entfernt liegt. Das 700 Jahre alte Anwesen, wo auch drei gemütliche Ferienwohnungen vermietet werden, führt nach Übergabe durch den Vater mittlerweile Fabian Tappeiner. Als Novum und Minigolf-Variante für den Winter hat er sich „Slice&Ice“ ausgedacht und selbst gebaut: zehn mit Natureis bedeckte Bahnen, auf denen man mit Hockeyschlägern seinen Puck an Hindernissen vorbei zum Ziel manövrieren muss. Ansonsten kümmert er sich um die Landwirtschaft, die auf Mutterkuhhaltung umgestellt wurde, und die Vermarktung der hofeigenen Bio-Produkte.
Keine Spur von Overtourism
Familienbetriebe sind im Schnalstal weit verbreitet, bestätigt Manfred Waldner, Direktor der örtlichen Tourismusgenossenschaft. „Auf 1.300 Einwohner, die sich über das 25 Kilometer lange Tal verteilen, kommen nur 2.500 Gästebetten.“ Weil es an Weihnachten oder im August mehr Nachfrage gibt, seien 500 weitere geplant. „Overtourism wie andernorts in Südtirol kennen wir aber nicht“, resümiert Waldner, der mit seinem Team vor Kurzem ein lichtes, modernes Gebäude ganz aus Glas und heimischer Lärche bezogen hat und dort Besucher über alle Angebote im Schnalstal informiert. Zum Beispiel die Transhumanz, bei der in einer jahrhundertlangen Tradition Mitte Juni über 3.500 Schafe von Kurzras aus den Alpenhauptkamm in Richtung Tiroler Ötztal überqueren und Mitte September auf dem gleichen Weg retour kommen. Außergewöhnlich ist auch das ehemalige Kloster Karthaus, das vis à vis der Touristinfo liegt. 450 Jahre lang lebten hier Mönche in Einsamkeit und Stille. Nachdem es 1792 aufgelöst wurde, entstand aus der sakralen Anlage ein Dorf. Seine wechselvolle Geschichte erklärt uns ein Video in einem Vorraum des Kreuzgangs, durch den wir anschließend spazieren – fasziniert von Stille, Schönheit und Zauber dieses besonderen Orts.
In Sachen Transparenz: Wir bedanken uns ganz herzlich bei der Region Schnalstal für die Einladung (Werbung, da Pressereise) und bei Stromberger PR für die Organisation. Wir berichten nur über Hotels und Destinationen, die wir selbst getestet haben und die wir auch Freunden empfehlen würden.














