Alptraum oder Hüttengaudi?

Ein Haus, 14 Erwachsenen, 12 Kinder, 3 Babies? Etagenbetten, Dusche und Toiletten auf dem Flur und Selbstversorgung? Eigentlich schwören wir auf Hotels mit 4-Sterne-Luxus und Spa…

 

…aber dieses Jahr starten wir einen Versuch der anderen Art: Hüttenurlaub mit Freunden. Tatort: Eine ehemalige DAV-Hütte in Saalbach-Hinterglemm mitten im Skigebiet. Kurzbeschreibung: Es gibt einen gemütlichen Gastraum mit Bar, eine in die Jahre gekommene Küche, aber immerhin mit Gastro-Spüler, in den oberen Stockwerken 2er-, 4er- und 6er-Zimmer, Etagen-Betten mit karierter Bettwäsche… Zum Relaxen gibt es als kleinen Luxus sogar ein Saunahäuschen und einen Hot Pot im Schnee. Als Organisatorin und Hüttenwirtin gibt es im Vorfeld viel zu planen: Zimmer aufteilen, Getränke und Brötchen-Service bestellen, Anfahrspläne verschicken und jede Menge Fragen beantworten. Ich fühle mich langsam doch ein bisschen wie eine Reiseleiterin. Und es kommen Zweifel auf: Ob das alles so klappt? Und ob alle wirklich hüttentauglich sind?
Am ersten Abend sind wir erstmal glücklich angekommen zu sein, denn die Anreise aus Hamburg ist doch ziemlich lang und der Weg zur Hütte ist nur mit Schneeketten zu bezwingen. Aber am Abend kommt endlich der gemütliche Teil, auf den sich alle schon gefreut haben: Das gesellige Beisammensein. Wir Erwachsenen sitzen nach einer deftigen Brotzeit in unserer Stube, die Babies liegen auf einer Krabbelsdecke vor dem Kachelofen und die Kids sind einfach in den Stockwerken darüber verschwunden. Alle haben schon jemanden zum spielen und quatschen gefunden. Animation ist nicht nötig. In der Küche klappert es noch, drei Fachmänner befassen sich mit der riesigen Gastronomie-Spülmaschiene und bekommen sie tatsächlich auch zum laufen. Alle schlafen wider Erwarten gut in ihren Stockbetten. Am nächsten Morgen glitztert draußen schon der Schnee in der Sonne, ein paar Frühaufsteher haben schon Kaffee gekocht und den Frühstückstisch gedeckt. Die frischen Brötchen sind uns tatsächlich in die Hütte geliefert worden. Welch ein Luxus! Nach dem gemütlichen Frühstück wird es dann doch etwas hektisch, wie danach eigentlich jeden Morgen. “Wo sind meine Ski?” “Wem gehören die Stiefel vor der Tür?” “Ich mag den Skihelm nicht!” Nicht nur eine, sondern sieben Familien bereiten sich auf ihren Skitag vor. Und das ist dann doch etwas stressig! Eigentlich kann man sich direkt vor der Hütte auf die Skier stellen, aber am ersten Tag ist es sinnvoll vor allem die kleineren Kinder zum Skikurs mit dem Auto ins Tal zu bringen. Als endlich nach einigen Widrigkeiten alle Kids im richtigen Skikurs samt Anmeldeschein und Essensmarke sind, setzen wir uns zur Lagebesprechung bei einem Latte Macchiato in die Sonne. Dann wird abgemacht, wer den Vormittag bei den Kleinsten bleibt und wer Ski fährt. Es ist perfekt. Zu Acht ziehen wir los. So macht nicht nur das Skifahren mehr Spaß, sondern auch der anschliessende Einkehrschwung. Dank der guten Bergluft machen die Babies sogar einen langen Mittagsschlaf. Am späten Nachmittag holen wir die Kids vom Skikurs ab und während ein Teil der Erwachsenen die Autos und Babies zur Hütte bringt, nehmen wir nochmal die Gondel den Berg hoch, um mit den Kindern direkt bis zur Hütte abzufahren. Abends gibt es leckeres Essen. Spaghetti Bolo, panierte Schnitzel – die eingeteilten Küchenteams übertrumpfen sich gegenseitig und die Kids helfen gerne mit. Und wir stellen fest: Es ist gar nicht so einfach für so viele Leute zu kochen! Wir lernen, dass Nudelwasser ewig braucht bis es heiß ist und dass man sich bei der Kartoffelmenge ziemlich verschätzen kann. Und ich staune, dass wirklich alle Mitbewohner hüttentauglich sind. Keiner drückt sich und alle helfen mit. Die nettesten Gespräche finden nicht beim Bier am Abend statt, sondern in der Küche nachts beim Aufräumen. Und die Kinder? Wie bei den Großen knüpfen auch die Kleinen schnell Freundschaften. Und meine Tochter Paulina sagt: “Mama, ich brauch kein Hotel mit Hallenbad, Hüttenurlaub mit Freunden ist viel besser!” Alle sind sehr traurig, als unser letzter Tag naht. Zum Abschluss wandern wir am letzten Abend mit Fackeln den verschneiten Hang zu Hintermaisalm hoch, um zünftig zu essen und zu feiern. Und alle sind sich einig: Gleich morgen reservieren wir “unsere Hütte” fürs nächste Jahr!!

Und das erzählen die Kids, die dabei waren…

Die besten Adressen bei der Hüttensuche:
www.huetten.com, www.huetten24.de, www.outdoor-touristk.de
Unsere Tipps zur Planung: Hütten ABC
Unser familienfreundliches Skigebiet:Saalbach-Hinterglemm

Unser Tipp: Günstige Skipässe!
Zünftig essen und feiern: Hintermaisalm: www.erlebnisalm.at
Unsere Lieblings-Location im Tal: Der Schwarzacher
Hüttenrezept: Kartoffeltorte von Gwyneth